Urfa

Urfa (Türkei)

(Dr. Harald SIEBENMORGEN)

Zurück Überblick Die andere Seite Bilder und Literatur Vor

Harran

In der Nähe von Urfa, 44 km entfernt im Südosten, ist Harran gelegen (griech. Carrhae,), eine zentrale Stätte der Verehrung des Mondgottes Siu in Gestalt eines heiligen Steins, der bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurückdatiert wird. Der Kult hielt sich als Traditionsreligion über babylonische, persische, römische und christliche Zeiten bis weit in die Epoche arabischer Herrschaft im 13. Jahrhundert n. Chr. In arabischer Zeit entstand eine Gelehrtenschule (die so genannte ‚älteste Universität der Welt‘), in der griechische, lateinische und aramäische Texte ins Arabische übersetzt und so der Nachwelt überliefert wurden.

Die Gegend von Harran war Schauplatz verschiedener Gewaltereignisse von historischer Bedeutung: 53 v. Chr. erfolgte die Niederlage des Römers Crassus gegen die Parther; 217 n. Chr. die Ermordung Kaiser Caracallas, 260 n. Chr. die Niederlage und Gefangenschaft des römischen Kaisers Valerian im Kampf gegen die persischen Sassaniden, anschließend die Auseinandersetzungen mit dem Reich von Palmyra, schließlich 1104 die Schlacht von Harran, die mit der ersten großen Niederlage der Kreuzfahrerstaaten gegen die Muslime endete. Aus Harran stammte Ibn Taymīya (1263-1328), dessen strenggläubige Lehren ein ideengeschichtliches Fundament des heutigen Salafismus bilden.

Die Geschichte der Stadt war eine Geschichte wechselnder Herrschaft: von Akkadern, Hethitern, Assyrern, Babyloniern, Achämeniden, Seleukiden, Parthern, Römern, Sassaniden, Palmyra, Byzanz, Arabern, Osmanen. Neben dem Ruinenfeld des historischen Harran mit den Resten verschiedener Sakralbauten existiert eine Anzahl charakteristisch nordsyrischer Rundhäuser mit Kegeldächern (‚trulli‘), die teilweise als Freilichtmuseum zugänglich sind.

urfa4

Abb. 4: Rundhäuser in der Altstadt von Harran

urfa5

Abb. 5: Überreste der Harran-Universität

Während das historische Harran heute eine Ruinenstadt ist, ist Urfa immer wieder überbaut worden, so dass es bei Ausgrabungen zu bedeutenden archäologischen Funden (römische Mosaiken) gekommen ist. Urfa besitzt heute neben biblischen Stätten der drei abrahamitischen Religionen zahlreiche Moscheen sowie auch mittelalterliche christliche Kirchen und Gemeinden unterschiedlicher Konfession. Sein Basar ist einer der authentischsten des ganzen orientalischen Raumes.

Zurück Überblick Die andere Seite Bilder und Literatur Vor