Urfa

Urfa (Türkei)

(Dr. Harald SIEBENMORGEN)

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Vom Göbekli Tepe nach Urfa

Will man den knapp 20 km entfernten Göbekli Tepe zur Siedlungsgeschichte des Ortes zurechnen, reicht die Geschichte Urfas sehr weit in die Vergangenheit zurück. Diese einzigartige, älteste bekannte und erst zum geringeren Teil ausgegrabene ‚Tempelanlage‘, deren Errichtung und spätere Zuschüttung noch nicht zureichend erklärt werden können, stammt aus dem 10. – 8. Jahrtausend v. Chr.

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Abb. 3: Gesamtansicht des Grabungsfelds mit den Anlagen A–D, Zustand 2011

Die Anlage muss zeitweiliger Aufenthaltsort einer mehrteiligen Arbeitsgesellschaft gewesen sein. Der Betrieb bedurfte in Anbetracht des Fehlens der lebensnotwendigen Ressourcen einer flankierenden Infrastruktur, die die notwendigen Nahrungsmittel und gegebenenfalls auch Rauschmittel produzierte. Hierfür war eine zumindest zeitweilig notwendige Sesshaftigkeit einer Personengruppe notwendig. Durch den Fund einer knapp unterlebensgroßen Steinstatue – der ältesten der Menschheitsgeschichte – im Boden des heutigen Urfa ist der Göbekli Tepe wohl als Platz einer der frühsten Siedlungsstätten in der Region zu belegen – am Anfang der Entwicklungen, die man als die ‚neolithische Revolution‘ bezeichnet.

Jahrtausende später, für die die Quellen schweigen, erscheint als vermutlicher Vorgänger Urfas eine Hurriter-Siedlung mit dem Namen Urschu. Diese wurde später hethitisch und dann Besitz wechselnder Nachfolgestaaten der Hethiter. In der Folge der Eroberung durch Alexander entstand wenig später eine neue Stadt: Edessa. Die wechselnde Herrschaftsfolge dieser Stadt ist äußerst kompliziert. Nach den Aramäern folgte die Eroberung durch das römische Weltreich, wurde zeitweilig unter dessen Regie, zeitweilig wieder von den Aramäern beherrscht, wurde wieder römisch, dann von den persischen Sassaniden erobert, wurde im 5./6. Jh. n. Chr. wechselnd persisch und byzantinisch, bevor 638 die arabische Eroberung erfolgte.

In der Persien so nahen Region trat schon früh, vor dem Jahr 200, der Einfluss des Christentums hervor, der römische Staatskult bestand jedoch weiter, jüdische Einflüsse sind nachweisbar. Seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. wohl war Edessa Sitz einer berühmten christlichen Gelehrtenschule, damals bekannt auch als ‚Schule der Perser‘, weil sie von christlichen, aus dem persischen Herrschaftsbereich (Nisibis) geflüchteten Gelehrten gegründet worden war. Wegen ihrer nestorianischen und syrisch-christlichen Ausrichtung wurde sie 489 von Byzanz unterbunden. Christliche Bischöfe und Kirchen behielten auch in islamischer Zeit eine große Bedeutung in der Stadt.

Im 11. Jahrhundert wurde Edessa zunächst wieder byzantinisch und in Folge des ersten abendländischen ‚Kreuzzuges‘ Hauptstadt der erwähnten Kreuzfahrer-Grafschaft. Diese bestand nur ein halbes Jahrhundert, dann wurde die Stadt wechselnd von den Rum-Seldschuken, Mongolen, Mamelucken beherrscht, bis sie 1637 vom Osmanischen Reich erobert wurde.

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