Kairuan

Kairuan / Qairauân (Tunesien)

(Dr. Mounir FENDRI)

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„Die Entdeckung des Wunders Kairuan“ (Paul Klee)

An den Ort angelangt, wo die Stadt heute noch in Zentraltunesien steht, beschloss der energische, im Namen Allahs erobernde Heerführer `Uqba Ibn Nâfi‘ eine befestigte Basis zu errichten, um das fromme Werk der militärischen Islamisierung weiter westwärts fortzusetzen. Der Legende nach soll er das wüste Areal inmitten einer kahlen Steppenlandschaft von wildem Tier und giftigem Ungeziefer mit Gottes Hilfe kraft bloßem Räumungsbefehl befreit haben. Über die Jahrhunderte erhielt sich der Volksglaube, Kairuans/Qairawân Luft sei Skorpionen abträglich. Überhaupt behielt es den breiten Ruf einer der heiligsten Stätten des Islam. Das lag nicht allein an den frommen Gründungsmythen, sondern auch daran, dass da Männer begraben sind, die dem Propheten Muhammad nahe gestanden sind, allen voran sein „Barbier“ (Abu Sam’a al-Balawi), der sich rühmte, im glücklichen Besitz einiger Haare des Propheten zu sein. Noch bis kurz vor der französischen Kolonialeroberung Tunesiens 1881 durfte kein Nicht-Muslim die Stadt betreten. Zum Leidwesen der an diesem so geschichtsträchtigen Ort und seiner kapitalen Sehenswürdigkeit, der imposanten, auf den Stadtgründer zurückgehenden, später um- und ausgebauten Hauptmoschee, interessierten europäischen Besucher, wie Maltzan und vor ihm, unter den ersten Deutschen, Fürst Pückler-Muskau, der im Sommer 1835 nur unter strengen Vorkehrungen einen Einblick in die Stadt und die Hauptmoschee haben durfte.

Der Hof der Großen Moschee – Abb. 2

Große Moschee: Innenansicht (Maqsura) – Abb. 3

Erst nach der gewaltsamen Einnahme der symbolträchtigen Stadt durch französische Truppen Ende Oktober 1881 war es europäischen kulturbegierigen Besuchern wie Guy de Maupassant (1882), Rainer-Maria Rilke (1910) und den Malern Paul Klee und August Macke (1914) möglich, „die Entdeckung des Wunders Kairuan würdig durchzuführen“ und den Besuch als „1001-Extrakt mit 99% Wirklichkeitsgehalt“ zu erleben (P. Klee). Denn: „Seit dem Einmarsch der Franzosen sind die bedeutendsten Kultstätten auch den Ungläubigen geöffnet, doch muss zu ihrem Besuch ein Erlaubnisschein bei dem französischen Contrôleur civil gelöst werden.“[5] Seitdem hört der Zustrom europäischer Touristen nicht auf, denen es auf der Tunesienreise viel daran liegt, neben dem antiken Karthago auch seinem muslimischen Gegenpart Kairuan/Qairawân eine kulturelle Wallfahrt abzustatten. „Von Carthago nach Kairuan“ (Berlin 1894): Nicht von ungefähr betitelte J. T. von Eckardt so ihre geistreiche kulturtouristische Wanderung vom antiken zum muslimischen Tunesien. Einen „Kairuan“-Artikel ließ sie vorab als (so der Untertitel) „Eine Pilgerfahrt nach dem Mekka des Magreb“ erscheinen.[6]


[5] R. Fitzner, Die Regentschaft Tunis. Berlin 1895, S.211

[6] Deutsche Rundschau, 53, 1887

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