Kairuan

Kairuan / Qairauân (Tunesien)

(Dr. Mounir FENDRI)

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Wie ein Klang aus der Heldenzeit des Islam trifft der Name der Stadt das Ohr, und kein Misston schallt hier störend dazwischen.“[1]

Kairouan – ein transmediterraner Erinnerungsorts par excellence

„Die Geschichte von Qayruân ist zugleich die Geschichte des ganzen mohammedanischen Afrika, wenigstens in seiner Glanzzeit, denn im Mittelalter war diese, jetzt so unbedeutende und nur noch durch den religiösen Fanatismus der Bewohner und frommer Wallfahrer zu ihren Heiligthümern ihr Leben fristende Stadt, die mächtige Hauptstadt eines weiten Reiches, welches ganz Europa an Flächeninhalt wenig nachstand.“[2]

So notierte der damals bekannte deutsche Orientreisende und Maghreb-Experte Heinrich von Maltzan, als er um 1850 auf einer umfassenden Tunesientour vor den Toren Kairuans stand, ohne die im Rufe einer der weltweit heiligsten Stätten des Islam stehende Stadt, als Nicht-Muslim, betreten zu dürfen.

Maltzans knappe aber treffende Einschätzung vom einstigen Glanz und nachträglichen Niedergang Kairuans evoziert und bekräftigt die Bedeutung dieser tunesisch-maghrebinischen Stadt (ca. 160 km südwestlich von Tunis und etwa 60 km westlich der Mittelmeerhafenstadt Sousse) als transmediterranen Erinnerungsorts par excellence. Das „weite Reich“, dessen Hauptstadt sieunter der Dynastie der Aghlabiden war, schloss zeitweilig auch, so der deutsche Orientalist weiter, „Sicilien, Corsika, Sardinien und ein Theil von Unteritalien“ ein.[3]

Die Gründung der Stadt Kairuan/Qairawân im 7. Jh. (das Gründungsjahr wird in der Regel mit 670 angegeben) gehört zu den ersten Höhepunkten der heiligen Saga vom siegreichen Einzug des Islam in Nordwestafrika. Eine Stadtgründung von historisch ausschlaggebender, epochemachender Bedeutung :

„Keine andere Metropole“, so der tunesische Islam-Historiker Faouzi Mahfoudh, „hat eine solch große Auswirkung auf ihr unmittelbares und ferneres Milieu gehabt. Kairouan hat den Raum des Maghreb und des Ifriqiya grundlegend umgestaltet (ihm eine völlig neue Ordnung aufgeprägt). Verkehrsstraßen verbanden es mit Fes, Sijilmasa, Tlemcen, Tahart, dem Zab und Qal’at Banû Hammâd… Es war das Bindeglied zwischen Orient und Okzident. Im Ifrîqiya führten alle Wege nach Kairouan, während sie sich früher nach Karthago richteten. Die zu byzantinischer Zeit beinahe menschenleere zentraltunesische Steppe bevölkerte sich und wurde zum Knotenpunkt eines dichten und ausgedehnten Verkehrsnetzes.“[4]


[1] H. Schurtz: Kairuan. In Deutsche Geographische Blätter. Bd. 23, (Bremen) 1900, S. 1-21.

[2] H. v. Maltzan, Reise in den Regentschaften Tunis und Tripolis. Leipzig 1870, Bd. II, S. 77f.

[3] Ibid.

[4] Faouzi Mahfoudh, Kairouan. La gloire de l’Islam. Tunis 2009, S. 10 : „Aucune autre métropole n’a eu autant d’effet sur son milieu proche et lointain. Kairouan a boulversé l’espace maghrébin et ifriqiyen. Des routes la reliaient à Fès, à Sijilmasa, à Tlemcen, à Tahart, au Zab, à la Qal’a des Banû Hammâd…etc. Elle était le trait d’union entre l’Orient et l’occident. En Ifrîqiya toutes les voies convergeaient vers elle, alors qu’auparavant elles se dirigeaient vers Carthage. La steppe de la Tunisie central qui était jadis pratiquement vide, aux temps des Byzantins, s’était peuplée et était devenue le point de croisement d’un réseau viaire dense et étendu. »

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