Bizerta

Bizerta (Tunesien) – ein mediterraner Erinnerungsort

(Mohamed Ali ELHAOU)

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El Alia

EI Alia bedeutet ‚Hoher Hügel‘, der Ort liegt auf einer Anhöhe am Hang des Djebel Hakima. Spontan würde man sagen, dass er über das davor gelegene Ghar El Melh Wache hält. Der Ursprung des Ortes geht auf die Römerzeit zurück, er trug damals den Namen Uzalis. Es sind noch einige Ruinen römischer Bauwerke in der Stadt zu sehen, und weitere könnten noch ausgegraben werden, wenn die erforderlichen Mittel zur Verfügung stünden.

Demographisch gesehen, besteht die Bevölkerung des Ortes zum Großteil aus Nachfahren der Andalusier, die nach der Rückeroberung Spaniens durch die Christen in Tunesien Zuflucht gefunden hatten. Reste andalusischer Architektur sind noch in der auf dem Djebel Hakima gelegenen Altstadt zu sehen. Das heutige EI Alia selbst erstreckt sich über die Ebenen um die Altstadt herum. Bauwerke wie die Große Moschee und einige Mausoleen haben der Modernisierung der Stadt standgehalten. Die Befestigungen und Tore des alten Stadtkerns wurden jedoch zu Beginn des 20. Jahrhunderts zerstört.

Karte der Region Bizerta

Karte der Region Bizerta

Und nun wieder an das zum eigentliche Thema des Artikels: El Alia ist in der Tat ein mittelmeerischer Erinnerungsort, denn auch dort haben aus Spanien geflohene Andalusier Zuflucht gefunden und sind ab 1609 dort ansässig geworden und haben ihre spezifischen Lebensformen mitgebracht. Der Name Al Alia leitet sich, wie erwähnt, von einem 150 Meter hohen felsigen Hügel ab und erstreckt sich über ungefähr sechs Hektar. Wegen des defensiven, in sich geschlossenen Charakters des Orts, einem markanten Zug der Siedlung, bestanden kaum Kontakte zu den umliegenden Dörfern und Kleinstädten. Das blieb so bis zu den 1960er Jahren. In dieser Zeit begann in Tunesien eine stetig zunehmende Bewegung, Ortschaften zu öffnen. Unbeweglichkeit und mangelnder Fortschritt hatten im Lauf der Jahrhunderte zur Behinderung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes geführt. Allerdings ist das historische El Alia auch heute noch wegen Mangels an Mitteln, fehlender Verkehrswege und nicht vorhandener Infrastruktur praktisch fast unzugänglich.

Ohne Funktion, ohne eine lebendige Wirtschaft im europäischen Sinn und von seinen Einwohnern verlassen, hat das historische Zentrum von EI AIia, die Medina, in den 1960er und 1970er Jahren große Teile seines Erbes und seines sozialen Zusammenhalts eingebüßt. Neue Stadtviertel sind entstanden.

Zu erklären ist dies zum Teil durch die Migrationsbewegungen dieser Epoche, das heißt,
durch die Auswanderung nach Europa oder die Abwanderung in die Hauptstadt Tunis. Das Geld der dort nunmehr Ansässigen fließt nicht in das historische EI Alia zurück, sondern in die umliegenden Ortschaften, wo es sich leichter leben lässt, wie zum Beispiel in Ras Jebel, und wo modernere Verkehrsmittel die Verbindung mit Tunis und insbesondere mit Ariana vereinfachen.

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