Las Alpujarras

Las Alpujarras (Spanien)– eine euro-mediterrane Erinnerungsregion

(Sina Lucia KOTTMANN)

Zurück Überblick Die andere Seite Bilder und Literatur Vor

Die Moderne schleicht sich in den Dornröschenschlaf

Szenenwechsel… Inmitten der ’schlummernden‘ Bergwelt sieht sich der Blick plötzlich irritiert. Große Kunststoffflächen thronen auf kostspielig bearbeiteten künstlichen Plateaus. In der Umgebung von Ugíjar und an den Südhängen der Sierra de la Contraviesa bei Albuñol/Adra wuchern seit einigen Jahren Plastikplanen-gedeckte Areale die Berghänge hinauf. Unter den Planen wird Gemüse kultiviert: Tomaten, Bohnen, Paprika, Gurken… Es sind die ‚kleinen Brüder‘ der Plastik-Städte um El Ejido in der Provinz Almería, welche aufgrund der hohen Beschäftigung illegal(isiert)er Immigranten aus dem Maghreb (unversichert und minimal bezahlt) ständig unter sozialer Spannung steht. Geschäftstüchtige Unternehmer holen mithilfe des in unterirdischen Wasserleitungen gefassten und in großen Becken gestauten Wassers aus den Höhen der Sierra einen vorübergehenden Profit aus der trockenen Landschaft heraus, die sie unschön und ausgelaugt zurücklassen, sobald der Ertrag ausbleibt.

Ein Bild wie seit jeher: ein alter Mann bewegt sich auf seinem Muli über die Feldwege in den Bergen; Ankunft der Moderne: 'Plastiklpantagen' im El-Ejido-Stil bei Ugíjar im Herzen der Alpujarras und an den Südhängen der Sierra de la Contraviesa bei Albuñol/Adra.

Ein Bild wie seit jeher: ein alter Mann bewegt sich auf seinem Muli über die Feldwege in den Bergen;
Ankunft der Moderne: ‚Plastikplantagen‘ im El-Ejido-Stil bei Ugíjar im Herzen der Alpujarras und an den Südhängen der Sierra de la Contraviesa bei Albuñol/Adra. – Abb. 18

Zum Erbe der Vergangenheit gesellen sich die Handschriften der (Post-)Moderne, die nach neuen Wegen des Auskommens sucht. Eigenwillige Palimpseste an Zeichen aus unterschiedlichen Zeiten kommen dabei zustande. In den Supermärkten der kleinen Orte wird vorwiegend Gemüse aus diesen Plastik-Hallen verkauft, nur noch wenige der älteren Generation sind Selbstversorger. Auch englischer Tee, Shortbread, Toast und Tiefkühlpizzas sind in den kleinen Läden zu haben. Die Nachfrage regelt das Angebot.

Hier in den Alpujarras steht die Zeit keineswegs still, auch hier in den ‚zeitlosen‘ Bergen ändern sich die Gewohnheiten und Geschwindigkeiten eines Alltags, in den sich inzwischen eine globalisierte Gegenwart mit modernen Mitteln und high-tech Medien einwebt. Der Ausbau der Infrastruktur (mit Krankenhäusern und Gesundheitszentren) und die bessere Anbindung an die größeren Städte der Provinzen Almería, Granada und Málaga durch den millionenstarken, EU-geförderten Ausbau des Straßennetzes verbessern zwar weder die Arbeitslage in der ländlichen Gegend noch können sie die Abwanderung der jungen Leute stoppen. Doch die Alpujarras bleiben dennoch belebt durch Tourismus, zuziehende (Alters-)Immigranten und junge Menschen, die nach alternativen naturnahen Lebenswegen suchen. Auch eine zunehmende Zahl der älteren Bewohner der Region und dazu derjenigen Alpujarreños, die ihren Wohnsitz und Beruf inzwischen anderswo haben, renovieren die alten Häuser ihrer Familien oder erwerben neue Immobilien als Wochenend-Domizile oder Alterssitz. Das Pueblo, der Herkunftsort, bleibt starker Bezugspunkt und die Familie und der Freundeskreis vor Ort ein entscheidender emotionaler Anker in der neuen Zeit.

Zurück Überblick Die andere Seite Bilder und Literatur Vor