Córdoba

Orientalische Pracht und convivencia – Córdoba als Sinnbild des friedlichen Zusammenlebens in Al-Andalus? (Spanien)

(Marion KRÜGER)

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Wie geht man in Cordoba heute mit dem (euro-mediterranen) kulturellen Erbe um?

Beim architektonischen Erbe steht in Córdoba die touristische Nutzung der Bauwerke im Vordergrund. Da das historische Zentrum der Stadt 1994 zum auf die Liste des UNESCO-Welterbes gesetzt wurde, sind Baumaßnahmen in diesem Viertel nur sehr eingeschränkt möglich, um den Charakter des Bauensembles zu bewahren. Darüber hinaus begünstigt die Struktur des historischen Zentrums mit den engen und verwinkelten Gassen, dass Verkehr und Lärm im Wesentlichen außerhalb des Zentrums bleiben.

Obwohl Córdoba mit verschiedenen Palästen aus christlicher Zeit, mit umfangreichen Funden aus römischer Zeit und der einzigen erhaltenen Synagoge Andalusiens aufwarten kann, gilt das Hauptinteresse der Touristen der Kathedrale/Moschee und dem maurischen Erbe der Palaststadt von Medina Azahara. Der Mythos von Al-Andalus und die nostalgische Sehnsucht nach convivencia sind also auch touristisch wirksam. Dies zeigt sich nicht zuletzt an der Präsentation der Website von Córdoba, auf der den Epochen von Al-Andalus viel mehr Raum gewährt wird als den Jahrhunderten nach der Reconquista.[36] Aber auch in Kunsthandwerk, architektonischen Details und touristischen Souvenirs lebt Al-Andalus und eine maurische Ästhetik wieder auf. Dabei handelt es sich auch immer um die Vermarktung einer Illusion und eines Mythos, denn – wie die Ausführungen zur Geschichte gezeigt haben – gab es in Córdoba immer wieder Umbrüche, Zerstörung, Umfunktionieren, Überbauen und Wiederaufbau. Das, was wir für kulturelles Erbe aus bestimmten Epochen halten, ist manchmal in Wirklichkeit viel jünger als es den Anschein hat.

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Maurische Reminiszenzen im modernen Bauschmuck

Und auch wenn die maurische Ästhetik gerne im Sinne eines nostalgische Liebäugelns Verwendung findet: eine tatsächliche Wiederbelebung von convivencia steht – wie das Beispiel der kontroversen Diskussion um eine Nutzung der Kathedrale/Moschee als gemeinsames Gotteshaus zeigt – nicht bevor.


[36] Vgl. www.ayuncordoba.es

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