Córdoba

Orientalische Pracht und convivencia – Córdoba als Sinnbild des friedlichen Zusammenlebens in Al-Andalus? (Spanien)

(Marion KRÜGER)

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Relikte: Das kulturelle Erbe der Convivencia[32]

Das Erbe Córdobas ist von den verschiedenen Kulturen und Religionen geprägt, die in der Stadt herrschten. Doch auch wenn hier eine Zuordnung einzelner Relikte zu einer bestimmten Kultur oder Religion stattfindet, muss man bedenken, dass häufig Baumeister oder Kunsthandwerker anderer Religionen, Regionen und sogar Epochen ihren Beitrag leisteten. Zum Beispiel wurden beim Bau der Moschee römische und westgotische Säulen wiederverwendet.

Maurisches Erbe:[33]

Die Moschee von Córdoba wurde von Ab-dar-Rahman I. im Jahr 785 begonnen und umfasste ungefähr ein Viertel der heutigen Größe. Die Bauarbeiten am Gründungsbau dauerten nur ein Jahr. Ursprünglich stand an derselben Stelle ein römischer Tempel, dann eine westgotische Kirche. Nach der Eroberung durch die Mauren wurde der Raum zunächst von Christen und Muslimen gemeinsam genützt, dann kaufte der Emir den Christen ihren Anteil ab.[34] Für den Bau wurden römische und westgotische Säulen wieder verwendet und je nach Höhe zum Ausgleich in den Boden eingegraben oder auf einen Sockel gestellt.

Die Moschee wurde immer wieder erweitert (unter Ab-dar-Rahman III., unter Al-Hakam II., unter Al-Mansûr), wobei man aber das Grundelement der Bögen mit der Abwechslung von roten Ziegeln und Sandstein beibehielt[35]. Auch an den Außenfassaden mit ihren Hufeisenbögen griff man optisch den Wechsel zwischen Ziegeln und Sandstein wieder auf. Die prächtigste Erweiterung der Moschee fand unter Al-Hakam II. um 960 statt: die Capilla de la Villaviciosa und die benachbarten Joche heben sich mit den fein verzierten Vierpassbögen und der Kuppel deutlich vom Rest der Moschee ab und bilden einen Vorgeschmack auf den Mihrâb, dessen goldene, mit Koransuren, floralen und ornamentalen Mustern verzierte Mosaiken im Halbdunkel zu leuchten scheinen. Die letzte Erweiterung unter Al-Mansur verdoppelte die Grundfläche noch einmal auf 175 x 300 Meter. Damit war die Moschee die größte der islamischen Welt. Diese letzte Erweiterung ist zugleich der schlichteste Teil.

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Seitenportal der Moschee

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Kuppel der Capilla de la Villaviciosa

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Hufeisenbogen über dem Eingang zum Mihrâb

Nach der Reconquista wurden zunächst an der als Kathedrale geweihten Moschee nur geringe bauliche Veränderungen vorgenommen. Ab 1523 aber überbaute man die Mitte der ehemaligen Moschee mit einem gewaltigen Kirchenbau in einer Stilmischung von Gotik und Renaissance. Der Glockenturm enthält auch heute noch im Innern das alte Minarett.

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Die Kathedrale/Moschee: Glockenturm

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früher Minarett

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Blick auf den Altar der Kathedrale und in den Orangenhof

Die früheren Bäder des Kalifen, die aus dem 10. Jahrhundert stammen, befinden sich unweit des Alcazar de los Reyes Cristianos.Die ehemalige Palaststadt Medina Azahara, ca. 10 Kilometer von Córdoba entfernt, wurde seit Beginn der Ausgrabungen 1910 zum Teil wieder aufgebaut, sodass ein Eindruck über die ehemalige Pracht vermittelt wird. Medina Azahara wurde unter Ab-dar-Rahman III. ab 936 erbaut. Die Stadt beherbergte ca. 20 000 Menschen. Doch die Pracht währte nicht lange – bereits zu Beginn des 11. Jh. wurde die Palaststadt von aufständischen Berbertruppen zerstört.Jüdisches ErbeDas ehemalige jüdische Viertel beginnt direkt hinter dem Almodóvar-Tor, durch das man die Altstadt vom Westen her betreten kann. In den engen Gassen gibt es einige Lokale. Hier kann man die einzige erhalten gebliebene Synagoge ganz Andalusiens besuchen, die aus dem 14. Jh. stammt. Man betritt sie über einen kleinen Innenhof. Ihre im Mudéjar-Stil verzierten Wände sind von Rundbogen durchbrochen. Oben befindet sich die Empore für die Frauen. Nach der Vertreibung der Juden diente sie als Tollwut-Hospital und später als Versammlungsort für die Schuhmacherzunft. 1885 wurde sie zum Nationaldenkmal erklärt.Die Christen Der Alcázar de los Reyes Cristianos, das Schloss der christlichen Könige, wurde auf einer früheren arabischen Anlage erbaut. Der Alcázar war während einiger Zeit in der letzten Phase der Reconquista gegen das Königreich Granada Hauptwohnsitz der katholischen Könige. Später war das Gebäude bis zu deren Abschaffung 1812 Sitz der Inquisition, bis 1931 diente die Anlage als Gefängnis. Heute kann die Palastanlage besichtigt werden und beherbergt auch Mosaiken und Sarkophage aus der römischen Zeit.Der Palacio del Marqués de Viana ist mit seinen vielen blumengeschmückten Innenhöfen einer der prachtvollsten Adelspaläste Córdobas. Aufgrund der ständigen Erweiterungen kann an ihm die Entwicklung der cordobesischen Architektur vom 14. Jahrhundert bis heute nachvollzogen werden. Darüber hinaus sind einige der Gassen, insbesondere die Calleja de las Flores mit ihrem üppigen Blumenschmuck sehr pittoresk. Ein Blick durch die vielen Portale eröffnet eine weitere Eigenheit Córdobas: Viele Häuser haben Innenhöfe, die mit Blumen und/oder Brunnen geschmückt sind.Auch heute noch sind für Córdoba Lederwaren typisch, die ornamental verziert werden mit einer Technik, die schon unter maurischer Herrschaft ausgeübt wurde: mit einem Griffel und Feuchtigkeit werden in das Leder Vertiefungen eingeprägt.Einige illustre Persönlichkeiten, die mit ihrem Werk und Schaffen großen Einfluss ausübten, sind:- Luis de Góngora y Argote (1561–1627), Lyriker und Dramatiker und einer der bedeutendsten Vertreter der literarischen Kunst des Siglo de Oro.


[32] Soweit nicht anders vermerkt, basieren die Ausführungen auf Burmeister 1998 und www.ayuncordoba.es.

[33] Einen guten Überblick über die Kunstwerke aus der Zeit von Al-Andalus in Córdoba bieten Barrucand, Marianne & Bednorz, Achim: Maurische Architektur in Andalusien, Köln u.a. 1992.

[34] Barrucand & Bednorz 1992, p. 39-40.

[35] Das Gemisch diente als Erdbebenschutz. Die letzte Erweiterung unter Al-Mansûr weist lediglich die dekorativen Elemente auf, verzichtet aber auf die verschiedenen Materialien.

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