Córdoba

Orientalische Pracht und convivencia – Córdoba als Sinnbild des friedlichen Zusammenlebens in Al-Andalus? (Spanien)

(Marion KRÜGER)

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Geschichte: Cordobas Aufstieg und Niedergang

Eine vollständige Darstellung der Geschichte Córdobas würde hier zu weit führen, deshalb soll ein besonderes Augenmerk auf denjenigen Abschnitten der Geschichte liegen, die die dominanten Narrativen und Mythen geprägt haben.

Die Geburt von Al-Andalus und die Umaijaden-Dynastie

711 wurde die Stadt von einem islamischen Heer unter der Führung von Târiq b. Zijâd eingenommen.[8] Córdoba wurde Provinzhauptstadt und war bis 732 von häufigen Machtwechseln verschiedener Gouverneure geprägt.[9] Die islamische Front war zusammengesetzt aus Arabern und Berbern. Innerhalb der arabischen Bevölkerung entstanden aufgrund von Stammeszugehörigkeiten Konflikte, die in der Provinz Córdoba bürgerkriegsähnliche Züge annahmen. Diese Konflikte waren zum Teil auch aus dem Orient „importiert“ worden. Sie führten dort letztlich zum Niedergang des Umaijaden-Kalifats in Damaskus, wo sich die Abassiden durchsetzen konnten.[10]

Erst dieser Machtverlust der Zentralgewalt in Damaskus ermöglichte die Entstehung des unabhängigen Emirats von Córdoba: Ab-dar-Rahman I., ein Umaijaden-Prinz, flüchtete aus Damaskus und ging nach Al-Andalus. Dort nützte er die Querelen für sich und konnte im Mai 756 Einzug in Córdoba halten und die Macht der Umaijaden konsolidieren.[11]

Die dynastischen Nachfolger Ab-dar-Rahmans I., der 788 starb, konnten nach und nach die Macht des Herrscherhauses festigen und verhalfen dem Emirat bis zur Mitte des 9.Jh. zur Blüte.[12] Gleichzeitig verlor die christliche Gemeinde im 9. Jahrhundert an Bedeutung, auch weil viele Christen zum Islam konvertierten – nicht zuletzt, weil sie dies von erheblichen Zusatzsteuern befreite. 929 ließ sich Ab-dar-Rahman III. zum Kalifen ausrufen.[13]Im späten 10. Jh. wurde Córdoba zum Ballungsraum und mit etwa einer Million Einwohner zur größten islamischen Stadt nach Bagdad.[14] Unter Al-Mansûr (978-1002), vollzog sich schließlich ein folgenschwerer Wandel. Er war ein Usurpator, der den Umajaden den Thron geraubt hatte. Da er für seine Politik die Unterstützung von Rechtsgelehrten und Theologen brauchte, ließ er alle nicht-orthodoxen Bücher entfernen und die Moschee grundlegend erweitern.[15] Feldzüge gegen die Christen und seine Selbstinszenierung als frommer Herrscher führten innerhalb und an den Außengrenzen des Reiches zur Verhärtung der Fronten zwischen Christen und Muslimen.[16]

Zeit der taifas, Almoraviden, Almohaden

Im 11. Jh. kam es zunehmend zur Zersplitterung von Al-Andalus in Kleinkönigreiche. Diese taifas waren nur wenig wehrhaft und dadurch anfälliger für Angriffe aus anderen kleinen Herrschaftsgebieten oder von Christen. Dadurch kam es allmählich zur Umkehrung der Kräfteverhältnisse zwischen Muslimen und Christen.[17] Die taifas gerieten immer mehr unter Druck und engagierten zu ihrer Verteidigung christliche Söldner oder sie kauften sich von Konflikten mit Tributzahlungen frei. Dies führte zu hoher Steuerlast schädigte das Ansehen der Herrscher und führte schließlich zur Destabilisierung des Systems.[18]

Auch bei den Christen gab es auf der iberischen Halbinsel anfangs noch Rivalitäten und vielfach auch Allianzen mit Muslimen. Aber es gab auch immer wieder christliche Bündnisse gegen das muslimische Al-Andalus. 1064 wurde auf Anregung des Papstes der „spanische Kreuzzug“ ausgerufen.[19]

Aufgrund des wachsenden Drucks auf die muslimischen taifas holten einige der Herrscher 1086 die Almoraviden zur Hilfe, die zuvor ganz Marokko unter ihre Kontrolle bringen konnten. Es handelte sich um nomadisierende Berber, die einer strengen islamischen Reformbewegung der malikitischen Schule angehörten. Sie brachten schließlich alle Gebiete von Al-Andalus unter ihre Herrschaft und konnten wieder weitere Regionen hinzugewinnen.[20] Aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Christen einerseits und der strengen Glaubensausrichtung andererseits verhärteten sich die Fronten zwischen den Glaubensgemeinschaften weiter. Córdoba wurde in seiner Bedeutung marginalisiert, da die Almoraviden die Hauptstadt nach Sevilla verlegten.[21]

Die Bevölkerung von Al-Andalus betrachtete die Almoraviden als Fremdlinge, zumal sie Berber waren. Außerdem wurden mehr Steuern erhoben als im Koran festgelegt. Diese Tatsachen und einige militärische Niederlagen gegen die Christen schwächten die Almoraviden zunehmend. Dies führte schließlich dazu, dass sich nun die Almohaden, die ihre Rebellion gegen die almoravidische Herrschaft im Hohen Atlas begonnen hatten, auch auf der iberischen Halbinsel durchsetzen konnten.[22] Sie bekämpften die Almoraviden auch aus religiösen Gründen.[23]

Cordoba wurde auch unter den Alomhaden nicht mehr Hauptstadt, Sevilla wurde neben Marrakesch als zweite Hauptstadt beibehalten. 1212 erlitt das almohadische Heer bei Las Navas de Tolosa am Rande der Sierra Morena eine entscheidende Niederlage. Die Krise und schließlich der Niedergang der Almohaden[24] führten zu einem weiteren Zeitalter der Zersplitterung. Den Lokalherrschern gelang es nicht, die Großoffensive der Christen abzuwehren und vereint aufzutreten.[25]

Córdoba nach der Reconquista

1236 wurde Córdoba schließlich vom Heer Kastiliens und Leóns eingenommen.[26] Viele Muslime wurden aus der Stadt vertrieben und ließen sich in den Vorstädten oder auf dem Land nieder oder zogen in den Maghreb.[27] Später allerdings wurden hochqualifizierte Handwerker und Bauspezialisten wieder in die Stadt geholt. Die Bevölkerung Córdobas nahm in den nächsten Jahrhunderten stark ab, 1530 waren nur noch knapp 6000 Einwohner in der Stadt . Das Leben für Muslime und Juden in Córdoba gestaltete sich zunehmend schwierig. Von den Muslimen wurden immer höhere Steuerzahlungen gefordert,. Die schützte sie aber nicht aber vor sozialen und rechtlichen Einschränkungen.[28] 1480 protestierten die Muslime, weil sie in ein anderes Stadtviertel verlegt wurden. Es kam zu Enteignung und zur Zerstörung der traditionellen ökonomischen Möglichkeiten, sodass 30 von 35 verheirateten Muslimen an den verheerenden gesundheitlichen Folgen von Mangelernährung und mangelnder Hygiene verstarben. Im Zuge der vollständigen Rückeroberung wurde ab 1492 die Vertreibung der Muslime und Juden beschlossen. Einige bevorzugten jedoch die Konversion. Insgesamt stand die zunehmende Unterdrückung der muslimischen Bevölkerung in starkem Kontrast zum islamischen Charakter der Stadt und zur immer noch andauernden Bewunderung für die islamische Kultur. Dies zeigt, dass die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen sehr viel komplexer waren als lange angenommen.[29]

Im Gegensatz zu den Muslimen gab es nach der Rückeroberung noch eine bedeutende jüdische Gemeinde. Der Bau von Synagogen – die heute noch existierende stammt vermutlich vom Beginn des 14. Jh. – verdeutlicht, dass die jüdische Gemeinde weiterhin die ökonomischen und politischen Möglichkeiten besaß, in der Stadt ihre Interessen zu vertreten. Allerdings griff 1391 antijüdische Gewalt von Sevilla nach Córdoba über. Sie bewirkte Zwangskonversionen und Tötungen von Juden. Zuletzt ereilte die Juden ein ähnliches Schicksal wie die Muslime: Ende des 15. Jh. erfolgte eine Ghettoisierung. Auf Druck der Inquisition ordneten die Monarchen schließlich die Vertreibung der Juden an. Diese wurde zwar nicht sofort wirksam – die Christen waren für ihren Krieg gegen Granada auf hohe Steuereinnahmen angewiesen – aber ab 1485 sind in Córdoba keine Juden mehr erwähnt. Viele Juden wählten die Konversion zum Christentum, um der drohenden Vertreibung aus dem Weg zu gehen. Allerdings gab es auch gegen die sogenannten conversos immer wieder Übergriffe (zum Beispiel 1473).Und Juden waren die erste Zielscheibe der Inquisition.[30]

Doch auch vielen Christen ging es nach der Rückeroberung schlecht: das Steuersystem belastete vor allem diejenigen, die am wenigsten hatten. Die Stadt stagnierte ökonomisch: Vor allem Adlige schufen Abhängigkeiten der Bevölkerung, indem sie Nahrungsmittel von den Märkten fern hielten; Wollproduzenten exportierten die Ware, anstatt die lokale Industrie zu fördern.[31] Córdoba versank immer mehr in der Vergessenheit und Provinzialisierung.

Einige Jahrhunderte später wurde Córdoba während des spanischen Unabhängigkeitskrieges zum großen Teil zerstört und geplündert, als 1808 französische Truppen unter General Pierre Dupont de l’Étang die Stadt einnahmen.


[7] Zum Beispiel kam es zu einem regelrechten Krieg unter den Arabern in Córdoba von 741-743 (Vgl. Guichard 2005, p. 39).

[8] Târiq b. Zijâd war Gouverneur von Tanger. Vgl. Guichard 2005, p. 16-17.

[9] Guichard 2005, p. 23-24.

[10] Ibid., p. 36-39.

[11] Ibid., p. 45-50.

[12] Ibid., p. 53-57.

[13] Guichard 2005, p. 66-71, 85.

[14] Ibid., p. 90, www.ayuncordoba.es, Burmeister 1998, p. 294.

[15] Guichard 2005, p.96-106.

[16] Ibid., p. 124-126.

[17] Ibid., p. 141.

[18] Durch die Veränderung von Baumaterialien (nun herrschte ein Gemisch aus Erde und Gips vor) konnte weitaus schneller und günstiger gebaut werden, doch war es auch weniger haltbar als die zuvor vorherrschende massive Bauweise. Nicht zuletzt deshalb sind aus dieser Zeit kaum noch bauliche Zeugnisse vorhanden (Vgl. Guichard 2005, p. 138). Dies beeinflusst damit auch maßgeblich, welche Epoche wir heute als Blütezeit der maurischen Herrschaft bezeichnen und was wir uns darunter vorstellen.

[19] Hier wird bereits die Ideologie der Rückeroberung sichtbar, die auf der Wiederbelebung westgotischer Traditionen v.a. im Königreich León basiert und auch bereits Züge des späteren Glaubenskrieges aufweist (Vgl. Guichard 2005, p. 143).

[20] Die Stammeszugehörigkeiten, die zuvor immer wieder zu Konflikten geführt hatten, hatten im 11. Jh. keine Bedeutung mehr (Vgl. Guichard 2005, p. 153).

[21] Guichard 2005, p. 141-145, 195.

[22] Guichard 2005, p. 184-186.

[23] Die Almohaden waren Anhänger einer Neuinterpretation der mystischen Lehre von Al-Ghazâli (Vgl. Guichard 2005, p. 184). Diese Doktrin war entscheidend für die Rebellion der Almohaden gegen die Almoraviden und rechtfertigte einen Heiligen Krieg gegen diese. Letztlich führte ihre Doktrin auch zum Bruch mit den Kalifen im Osten (Vgl. Guichard 2005, p. 200).

[24] Die Ursachen für den Niedergang der Almohaden liegen auch zum Teil im Maghreb, wo es ihnen an der Unterstützung durch die Bevölkerung fehlte (Vgl. Guichard 2005, p. 211).

[25] Guichard 2005, p. 201-215.

[26] Guichard 2005, p. 216.

[27] Ibid., p. 216, Edwards, John: Christian Córdoba. The city and its region in the late Middle Ages, Cambridge u.a. 1982, p. 6.

[28] Edwards 1982, p. 7, 10, 178.

[29] Ibid., p. 178-180.

[30] Ibid., p. 181-184.

[31] Ibid., p. 189-191.

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