Tanger imaginaire

Tanger imaginaire (Marokko)

(Dr. Fadoua CHAARA)

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Tanger – ein euro-mediterraner Ort?

Tanger ist geographisch, historisch und kulturell eine der ältesten und bedeutendsten Städte im südlichen Mittelmeerraum, wie archäologische Befunde[1], die Schriften der antiken Geschichtsschreiber und Geographen und auch die Reiseberichte von Handelsleuten belegen.[2] Tanger ist eine Stadt, deren Lichter von der Frühgeschichte und der Antike über die islamische Zeitepoche[3] bis hin zum heutigen Tag nie ausgegangen sind. Es war von Ureinwohnern besiedelt, deren Spuren sich weiträumig verfolgen lassen: von der Nordseite der Meeresenge bis zu den Küsten des nördlichen Asien und südlich vom mittleren Marokko bis zu den südlichen Orten der arabischen Halbinsel[4]. Eine Stadt, die Schauplatz von großen historischen Ereignissen und Umwandlungen war, deren Akteure Staaten waren, die im Norden und Süden des Mittelmeeres gelegen sind. Tanger war aus den unterschiedlichsten Interessen und Antrieben von verschiedenen Reichen, Staaten und Völkern des Mittelmeerraumes begehrt und heiß umkämpft. Eine Stadt, die hin und her gerissen zu sein scheint zwischen Okzident und Orient, zwischen Nord und Süd, die sich manchmal öffnet und manchmal verschließt vor den Einflüssen von außen. Aber ihre Identität als marokkanische Stadt blieb bei allen großen historischen Ereignissen und trotz aller tiefgründiger Umwandlungen unverändert so, wie sie einst war. In Tanger spitzen sich alle Besonderheiten zu, und die vielfältige widersprüchliche Natur des Landes – geographisch, historisch und kulturell – kommt hier wie durch ein Vergrößerungsglas gesehen zur Geltung. In dieser Stadt vermischt sich das Reale mit dem Irrealen.


[1] Die Entdeckung der Phönizischen Nekropolen in Tanger im Jahre 1964 durch den französischen Archäologen Michel Ponsich verfolgte die Spuren , die die Phönizier zwischen dem 12. und 5. Jh. in Tanger hinterlassen haben, vor allem bezüglich des „Alltags“ in Tanger in der Zeit der Phönizier. Wie nach Vauthey Paul/VautheyMax (1969) zitiert ist, stellt Ponsich Folgendes fest: Vor der Entdeckung gilt, dass man « à peu près tout » nicht gewusst habe « sur cette période et sur la ‘vie quotidienne’ à l’époque phénicienne dans la région du Tanger“. Mehr dazu in Vauthey Paul/Vauthey Max (1969).
[2] Für Probleme der Geschichtsschreibung über Marokko siehe Laroui (2009).
[3] Mit dem Problem der Anwendung der abendländischen Zeitrechnung auf die geschichtlichen Zeitepochen Marokkos und anderer arabisch-islamischen Länder befasst sich Laroui (2009).
[4] Mehr über die Vorgeschichte Marokkos und Herkunft der Ureinwohner Marokkos siehe Laroui (2009).
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