Palermo

Palermo (Italien)

(Dr. Steffen SCHNEIDER)

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Palermo, Ganzhafen: Tor zur mediterranen Welt

Der Name der Stadt Palermo leitet sich von dem griechischen Wort panhormos (‚Ganzhafen) ab. Das Wort erklärt sich wohl daraus, dass der Hafen in früheren Zeiten tief in die Stadt eindrang, heute blieb davon nur noch ein Zipfel des Meers übrig – man nennt ihn Cala. Palermos Geschichte ist auf das Engste mit seinem Hafen verknüpft, der in einer schützenden und fruchtbaren Bucht liegt: Er verbindet die Stadt mit dem italienischen Festland und Nordafrika – den beiden für Palermo bedeutendsten Regionen des Mittelmeers: Nach Tunis sind es etwa 400 km, nach Neapel ca. 350 km Seeweg. Aufgrund seiner Lage war Palermo seit seiner Gründung ein geeigneter Flottenstützpunkt für die Phönizier, Karthager, die Römer und schließlich auch für die arabischen und normannischen Eroberer.

Palermos Geschichte ist seit seiner Gründung im 7. Jahrhundert vor Chr. durch die Phönizier mit den bedeutendsten mediterranen Mächten und Kulturen verbunden: Phönizier und Karthager, Römer und Byzanz, Araber, Normannen und Staufer, Anjou und Spanier – Aragonesen, Habsburger und Bourbonen – und schließlich Italiener umkämpften, eroberten, prägten die Stadt. Doch nicht nur mit dem Großraum Mittelmeer, sondern auch mit Sizilien sind Palermos Schicksale eng verwoben: Seitdem die Araber es zu ihrem Regierungssitz machten, blieb es die politische Zentrale der Insel, heute ist es Hauptstadt der Autonomen Region Sizilien (Regione Siciliana) und mit etwa 650.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Italiens. Palermo kann mit Stolz auf eine ununterbrochene, fast dreitausendjährige Stadtentwicklung zurück blicken: noch durch die modernen Straßenzüge hindurch lässt sich mit kundigem Auge die erste, phönizische Stadt erkennen. Doch trotz ihrer historischen Bedeutung hat sich Palermo modernen Einflüssen nicht verschlossen, im guten wie im schlechten Sinn. So haben die maßgeblichen architektonischen Stilrichtungen der vergangenen Jahrzehnte vom Jugendstil bis zur postmodernen Hochhausarchitektur ihre Zeugnisse hinterlassen, aber auch die für den mediterranen Raum allgemein charakteristischen Negativtendenzen, wie etwa der durch illegale Bebauung und durch den Einfluss der Mafia verursachte städtebauliche Wildwuchs, der zur Zerstörung wichtiger Denkmäler und zur Degradierung des Landschaftsbildes führte, lassen sich deutlich erkennen Von den Höhlenmalereien in den Addaura-Grotten am Monte Pellegrino bis zur arabischen Eroberung; von der arabisch-normannischen Kunst, den arabischen und sizilianischen Dichtern des Mittelalters bis zur Sizilianischen Vesper, die in Palermo ihren Ausgang nahm; vom Einzug der Truppen Garibaldis bis zur Bombardierung durch die Alliierten; und von den Attentaten auf Giovanni Falcone und Paolo Borsellino bis zu den großen Mafiaprozessen ­– Palermo, und damit verbunden Sizilien, ist ein Ort voller historischer, literarischer und kultureller Erinnerungen, deren Bedeutung weit über den engen lokalen und selbst über den italienischen Kontext hinausweist und mit dem Gedächtnis Europas, Kleinasiens und Nordafrikas eng verknüpft ist.

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