Marsala

Marsala (Italien) – Zwischen Europa und Nordafrika

(Rubina ZERN)

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Relikte

Durch die Porta Garibaldi, die dem Meer zugewandt ist, gelangt man durch die Via Garibaldi direkt in die Altstadt Marsalas, die auf der Piazza Repubblica sowohl den Palazzo della Loggia aus dem 18. Jahrhundert als auch die Chiesa Madre, die Kathedrale von Palermo, beherbergt. Sie stammt noch aus normannischer Zeit, wurde später umgebaut und enthält den einen oder anderen wertvollen Kunstschatz wie etwa die Statue des heiligen Thomas von Antonello da Messina. Antonello (ca. 1430-1479) soll übrigens nach einer Legende im Norden, bei den Brüdern van Eyck, seine Malerei vervollkommnet haben. Auf alle Fälle hat er die flämische Malerei gut gekannt.

Ebenfalls am Platz ist der Palazzo XII Aprile 1860, auch Palazzo della Loggia genannt. Teile wurden bereits im 16. Jahrhundert errichtet; im 18 Jahrhundert war er lange Zeit Sitz der Stadtverwaltung. Die Via XI Maggio (oder auch ‚Cassero’), die von dem viereckigen Platz abgeht, ist eine der edelsten Straßen Marsalas und mit großen marmornen Pflastersteinen gesäumt, auf denen schon der marsalesische Adel im 19. Jahrhundert flanierte.

Fast irreal nimmt sich ein Spaziergang durch das ehemals Spanische Viertel (quartiere spagnolo) aus, das durch die ehemalige Militärkaserne, in der sich heute Sitz der Stadtverwaltung befindet und die über einen verwunschenen anmutenden Innenhof verfügt, dominiert wird.

Im archäologischen Museum Baglio Anselmi kann man neben zahlreichen Überresten aus der Epoche Lilibeos auch das einzige Exemplar eines 35 m langen karthagischen Schiffes bestaunen, das wohl etwa im 3. Jahrhundert v. Chr. in See stach.

Mozia, Multimedia-Rekonstruktion der Hafeneinfahrt – Foto: Wikimedia Commons GNU

Mozia, Multimedia-Rekonstruktion der Hafeneinfahrt – Abb. 2

Und immer wieder ist es die gelungene, manchmal auch pragmatische Synthese aus Altem und Neuen, die den Besucher staunen lässt: Ob im ehemaligen Convento del Carmine, das zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert erbaut wurde (der schöne Campanile kam im 16. Jahrhundert dazu) und heutzutage als kommunale Pinakothek moderne Exponate ausstellt; im mittelalterlichen Castello di Marsala, einer normannischen Burg, die heute das Kreisgefängnis beherbergt, oder hinter der Porta Nuova (der „Neuen Pforte“) am Capo Boeo, der westlichsten Spitze Siziliens, an dem sich eine Ausgrabungsstätte befindet, in der man Relikte eines alten römischen Stadtviertels bewundern kann.

Eng mit Marsala verbunden ist, wie bereits erwähnt, die vorgelagerte Insel San Pantaleo mit dem Ort Mozia, einer alten phönizischen Siedlung. Hier und auch in Marsala selbst wird immer noch das Meersalz geerntet. Auf einer Strecke von etwa 30 Kilometern zwischen Trapani und Marsala liegt die Via del Sale mit ihren Salzsalinen; ihre Geschichte kann man im nahen Salzmuseum Mulina Salina Infersa verfolgen und sich auch über die Methoden der Salzgewinnung informieren, die seit dem Mittelalter praktiziert wurden. Einzig an die arabischen Herrscher, die der Stadt einst ihren Namen gaben, erinnern keine Denkmäler mehr – ihre schönen Paläste und Moscheen wurden im Laufe der Zeit zerstört, sie bleiben einzig in der Kultur und Sprache lebendig. Doch eventuell wird man in der Villa Cavallotti fündig, einem großen Park jenseits der Porta Nuova, dessen Palmenalleen so märchenhaft anmuten, dass man sich hier bereits im nahen Nordafrika wähnt.

Villa Cavallotti, vor der Porta Nuova – Foto: Rubina Zern

Villa Cavallotti, vor der Porta Nuova – Abb. 3

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