Marsala

Marsala (Italien) – Zwischen Europa und Nordafrika

(Rubina ZERN)

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Marsala: „Herz des Mittelmeeres“ – Zwischen Europa und Nordafrika

Das Salz der Salinen glänzt in der Sonne, als wir nach Marsala hineinfahren. Alte Windmühlen stehen inmitten der Salzgärten, Relikte aus einer anderen Zeit. Das Klima Westsiziliens mit seinen heißen Sommern und der stetigen Brise hat die Salzgewinnung von jeher begünstigt. Die Meeresluft schmeckt salzig, Möwen kreischen, der Geruch von Pinien mischt sich mit dem von Seetang.

Auf dem Weg in die barocke Altstadt fällt das Licht durch die dem rauhen Wind trotzende Porta Garibaldi, eines der Stadttore, durch das Garibaldi während seines Eroberungszuges gekommen sein soll.[1]

Porta Garibaldi – Foto: Rubina Zern

Porta Garibaldi – Abb. 1: Rubina Zern

Marsala ist trotz seiner Bedeutung für Italiens Nationalgeschichte keine Großstadt, besitzt verglichen mit anderen sizilianischen Städten nur wenig bedeutende Kunstschätze und liegt auch sonst, so scheint es, ein wenig abseits, abgeschlagen neben dem nahen, geschäftigen Trapani, den berühmten griechischen Tempeln von Agrigento oder der Ausgrabungsstätte Selinunt. Auch die Hauptstadt Palermo liegt nur 100 km in nordwestlicher Richtung entfernt. Noch Mitte der 1980er Jahre suchte man die Stadt in deutschen Reiseführern vergeblich;[2] bis heute wird Marsala von den einen als nicht sonderlich attraktive Hafenstadt geschildert,[3] von den anderen jedoch als „wahres Sizilien“ bezeichnet. Heute hat Marsala 82.933 Einwohner[4] und nennt sich selbstbewusst „cuore del mediterrano“ – Herz des Mittelmeeres.[5]

Wie die Insel Sizilien selbst, so hat auch Marsala als strategisch wichtige Hafenstadt eine turbulente Vergangenheit, die sich wie unter dem Brennglas der Geschichte ausnimmt. Immer wieder kamen die Invasoren über das Meer und herrschten über die Geschicke der so reichen Insel Sizilien. Die Geschichte von Marsala ist stark von der Nähe zu Nordafrika geprägt worden, schließlich liegt Tunis deutlich näher als Rom: Nur 140 km trennen Marsala vom tunesischen Festland, was sich unter anderem in den zahlreichen Couscous-Lokalen niederschlägt, die das traditionelle sizilianische Fisch-Couscous anbieten. Zwar ist der nordafrikanische Einfluss nicht so stark wie im 20 Minuten entfernten Mazara del Vallo, einer Kleinstadt, die den höchsten Anteil an Migranten aus Nordafrika in Sizilien aufweist und deren enge Altstadtgassen im Stadtviertel Kasbah sich wie in einer orientalischen Stadt ausnehmen; doch auch in Marsala ist Nordafrika bereits spürbar: „Hier wehen schon Lüfte von Karthago herüber“, bemerkte der Journalist und Historiker Ferdinand Gregorovius bereits Mitte des 19. Jahrhunderts.[6]


[1] Vgl. zur Geschichte der Einigung aus sizilianischer Perspektive vor allem: Lucy Riall: Sicily and the Unification of Italy. Liberal policy and local power 1859-1866. Oxford 1998.
[2] Vgl. Die Zeit, Nr. 23, 30. Mai 1986, p. 62.
[3] Peter Kammerer/Ekkehart Krippendorff: Reisebuch Italien. Über das Lesen von Landschaften und Städten. Berlin 1979, S. 183.
[4] Istituto nazionale di statistica (ISTAT), Stand: 31.12.2011: http://demo.istat.it/bilmens2011gen/index.html, aufgerufen am 9.12.2012.
[5] Comune di Marsala: https://servizi.comune.marsala.tp.it/download/marsala_turismo_2013.pdf , aufgerufen am 11.12.2012.
[6] Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien. München 1967, p. 793.
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