Amalfi

Euromediterranes Amalfi (Italien)

(Dr. Dieter RICHTER)

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Aktuelle Erinnerungsspuren an der Amalfiküste

Wer heute an die Amalfiküste kommt, findet noch immer zahlreiche Spuren der Erinnerung an die große euromediterrane Vergangenheit der Region; sie reichen vom Landschaftsbild über die Architektur und die Folklore bis hin zu populären Mythen, in denen sich das stolze kollektive Selbstbewusstsein der lokalen Bevölkerung spiegelt, Nachfahren der Seeleute und Kauffahrer der alten Repubblica marinara di Amalfi zu sein.

Nähert man sich der Küste von See aus, kann man eine Landschaft bewundern, die nicht ohne Grund 1997 von der UNESCO zum Patrimoine culturel erklärt wurde. Sie verdankt ihre Kultivierung einer Technik, die ihren Ursprung in den ‚Hängenden Gärten‘ des Vorderen Orients hat und sich von dort im frühen Mittelalter nach Westen hin ausbreitete: der mühevollen Terrassierung der Steilhänge, die das abschüssige Terrain sichert und zugleich seine landwirtschaftliche Nutzung ermöglicht.

Blick von der Villa Rondinaia in Ravello auf Castiglione. Die Terrassierung des steil abfallenden Terrains prägt bis heute das Landschaftsbild. Terrassen sind auch ein Grundelement der Architektur: häusliche Logenplätze zur Landschaft. – Foto: Dieter Richter

Blick von der Villa Rondinaia in Ravello auf Castiglione. Die Terrassierung des steil abfallenden Terrains prägt bis heute das Landschaftsbild. Terrassen sind auch ein Grundelement der Architektur: häusliche Logenplätze zur Landschaft. – Foto: Dieter Richter

Ebenfalls als Import aus dem Orient fasste hier im frühen Mittelalter der Agrumenanbau Fuß. Die Araber hatten Kultur und Züchtung der Limonen (arab. lemon) entscheidend verbessert, an der Amalfiküste wird der Anbau von Zitronen erstmals im 10.Jahrhundert urkundlich erwähnt. Zitronen und Orangen spielen in der Landwirtschaft der Amalfiküste bis heute eine wichtige Rolle.

Dem Landschaftsbild fügt sich die traditionelle Architektur der Häuser ein: weißgekalkte Würfel mit einem flachen oder als „Pavillon“ leicht gewölbten Dach, ein Bautyp wie man ihm ganz ähnlich auf den griechischen Inseln, im Nahen Osten oder in Nordafrika begegnen kann. Er verdankt seine Entstehung klimatischen Bedingungen, die durch hohe sommerliche Temperaturen, Wasserarmut und Mangel an Bauholz bestimmt sind. Heute oft durch rezente Architekturformen verdrängt, prägt dieser Bautyp noch mancherorts das Stadtbild und gibt Orten wie Atrani oder Cetara ihr ‚orientalisches‘ Aussehen. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts hat diese mediterrane Bauform Architekten wie Josef Hoffmann, Louis Kahn oder Le Corbusier inspiriert, die in der schlichten, schnörkellosen Bauweise ein Vorbild für die ‚funktionale‘ Architektur der Moderne fanden.

Zahlreiche euromediterrane Erinnerungen erwarten den Besucher auch in den einzelnen Ortschaften der Amalfiküste – auf einige von ihnen möchte ich im Folgenden aufmerksam machen.

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