Amalfi

Euromediterranes Amalfi (Italien)

(Dr. Dieter RICHTER)

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Heilige aus dem Osten und der Raub der Reliquien von Sant´Andrea

In den Kontext der euromediterranen Beziehungen Amalfis im Spannungsfeld von Okzident und Orient gehört auch die Kultur der Heiligen – wie überall im katholischen Süden wichtige Figuren der lokalen Identität. Es fällt auf, dass zahlreiche Heilige in den Ortschaften der Amalfiküste aus dem Osten stammen, also aus dem griechisch-byzantinischen Raum, und nach den lokalen Kulterzählungen über das Meer in die Region gelangt seien. Der Ortsheilige von Ravello, San Pantaleone, wird außer in der Ostkirche auch in San Marco in Venedig verehrt; an der Küste von Amalfi ist er einer der wichtigsten Namenspatrone. Nach einer wundersamen Seereise am Strand angespült wurden die Reliquien der Ortsheiligen von Minori, Santa Trofimena (auch sie im lateinischen Westen weitgehend unbekannt). Auch das byzantinische Kultbild der Madonna von Positano sei, so die örtliche Legende, von Seeleuten aus dem östlichen Mittelmeer verschifft worden und habe durch eine Windstille vor Positano seine Stationierung erzwungen. Östlicher Herkunft sind auch die an der Küste verschiedentlich verbreiteten Kulte des Heiligen Elias und der Heiligen Maria von Konstantinopel.

Sant´Andrea-Prozession 2007 in Amalfi. Die Statue des Heiligen wird die steile Domtreppe hinuntergetragen. Im Hintergrund die ineinander verflochtenen Spitzbögen (archi intrecciati) der modernen Fassade, die älteren Vorlagen nachempfunden sind.

Sant´Andrea-Prozession 2007 in Amalfi. Die Statue des Heiligen wird die steile Domtreppe hinuntergetragen. Im Hintergrund die ineinander verflochtenen Spitzbögen (archi intrecciati) der modernen Fassade, die älteren Vorlagen nachempfunden sind.

Den abenteuerlichsten und für die Kultgeschichte wichtigsten Ost- und Meer-Bezug hat freilich der Ortsheilige von Amalfi selber, Sant´Andrea Apostolo, einer der in der Ostkirche hoch verehrten Heiligen. Seine Gebeine wurden beim 4.Kreuzzug in Konstantinopel geraubt und 1208 von amalfitanischen Schiffen nach Amalfi gebracht. Die Stadt konnte mit dem Besitz der Reliquien des Bruders des Apostelfürten Petrus auftrumpfen und damit ihre Bedeutung unterstreichen, auch in Konkurrenz mit dem Heiligen Markus in Venedig (den venezianische Kaufleute bereits 828 in Alexandria entführt hatten). Nur bedeutende Städte haben schließlich bedeutende Heilige.

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