Amalfi

Euromediterranes Amalfi (Italien)

(Dr. Dieter RICHTER)

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Kulturkontakt, Kulturkonflikt

Amalfi euromediterranea: Das Stichwort bezeichnet freilich nicht nur gelungene Beziehungen zwischen Okzident und Orient, sondern auch die Geschichte eines jahrhundertealten kulturellen Konflikts zwischen der christlichen und der islamischen Welt. Und auch dieser hat bis heute seine Spuren hinterlassen. Li turchi alla marina!, „Die Türken am Hafen!“ ist ein noch immer gebrauchtes, halb scherzhaftes Warnwort (ähnlich dem in Deutschland auf dem Land früher üblichen „Vorsicht, die Zigeuner kommen!“). An die Bedrohung durch muslimische Korsaren erinnern die „Sarazenentürme“ aus dem frühen 16.Jahrhundert, die sich an der Küste entlangziehen. In Sichtweite miteinander verbunden, sollte von dort vor nordafrikanischen Freibeutern gewarnt werden, die es – bis ins frühe 19. Jahrhundert – auf den Fang christlicher Sklaven und Sklavinnen abgesehen hatten. Natürlich standen ihnen die christlichen Seefahrer in nichts nach, waren ihrerseits auf der Jagd nach „schwarzem Fleisch“ (wie afrikanische Sklaven früher genannt wurden).

Auch beim Schutz vor Sarazenen- Überfällen hatten natürlich wieder die Heiligen ihre Hand im Spiel: Im Dom von Amalfi zeigt ein großformatiges historisches Ölgemälde, wie der Stadtheilige Sant‘Andrea einen Seesturm entfacht, um im Jahr 1535 die Schiffe des gefürchteten nordafrikanischen Korsaren Khair ad-Din, genannt Barbarossa, daran zu hindern, in Amalfi zu landen und die Stadt zu plündern (Das gelang ihm dafür im benachbarten Capri, wo die Ruinen der „Barbarossa“-Festung noch heute an den großen Freibeuter erinnern). Und auf einem Fresko in der Kirche in Minuta aus dem 12.Jahrhundert wird die Geschichte erzählt, wie der Heilige Nikolaus von Bari einen kleinen Jungen rettet und seinen Eltern zurückgibt, der von den „Ungläubigen“ geraubt und in die Sklaverei verkauft worden war. Euromediterrane Beziehungen waren ambivalent und sind es noch immer, auch die Küste von Amalfi erzählt davon.

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