Amalfi

Euromediterranes Amalfi (Italien)

(Dr. Dieter RICHTER)

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Ravello, ein Blick in den Osten

Rund fünf Kilometer von Amalfi entfernt, in prominenter Bergposition, liegt Ravello. Der ‚maurische‘ Charakter des Orts fiel bereits Reisenden des 19. Jahrhunderts auf, so Ferdinand Gregorovius in seinen ‚Wanderjahren in Italien‘: „Ich fand in dem kleinen Ravello fast ebenso viel moreske Architectur als in Palermo selbst“, notiert er bei seinem Besuch im Sommer 1853, und in der Tat wird man neben Palermo und Granada kaum einen Ort im westlichen Mittelmeer finden, in dem der arabische Stil (arabo-siculo nennen ihn die italienischen Kunsthistoriker) derart präsent ist. Prominentestes Beispiel ist die Villa Rufolo aus dem 13. Jahrhundert mit ihrem cortile in verschränkter schwarz-weißer Bogenarchitektur.

Architekturelement in „arabisch-sizilischem“ Stil am Cortile der Villa Rufolo (13.Jh.) in Ravello. – Foto: Dieter Richter

Architekturelement in „arabisch-sizilischem“ Stil am Cortile der Villa Rufolo (13.Jh.) in Ravello. – Foto: Dieter Richter

Im unteren Bereich der Anlage befindet sich ein bagno arabo genannter Raum mit einer Deckenkonstruktion, die derjenigen der römischen Thermen ähnelt, eine lebendige Erinnerung daran, daß es die Araber waren, welche die Kultur des Badens aus der Antike übernommen und im Westen wieder ‚salonfähig‘ gemacht haben.

Gewölbestruktur im bagno arabo der Villa Rufolo in Ravello. Der Konstruktionstyp geht auf die römischen Thermen zurück und  ermöglichte den Ablauf des Kondenswassers. – Foto: Dieter Richter

Gewölbestruktur im bagno arabo der Villa Rufolo in Ravello. Der Konstruktionstyp geht auf die römischen Thermen zurück und ermöglichte den Ablauf des Kondenswassers. – Foto: Dieter Richter

Im Dom von Ravello findet der Besucher neben den bereits erwähnten Bronzetüren des Meisters Barisano aus Trani (1179) zwei prachtvolle Kanzeln. Die ältere von ihnen, mit der Darstellung des Jona-Wunders (1130), ist mit leuchtenden türkisfarbenen Mosaiken gearbeitet, einer Importware aus dem Osten. Auch die Kirche San Giovanni del Toro (12.Jh.) verfügt über eine ähnlich mosaizierte Kanzel; sie ist außerdem mit glasierten Terrakottascheiben vermutlich syrischen Ursprungs und arabischen Schriftzeichen verziert, von denen erzählt wird, sie ergäben den Namen Allahs (ähnlich wie bei einer arabischen Schrift im Altarraum des Doms von Bari). In den 1920er Jahren hat sich der niederländische Künstler M.C.Escher von der prachtvollen abstrakten Ornamentik inspirieren lassen.

In der Nähe liegt die Fontana Moresca, der „Maurische Brunnen“ mit einer Tafel zur Erinnerung an den Besuch von Theodor W.Adorno in Ravello, der sich (so in einem Brief an Alban Berg vom 15.10.1925) ebenfalls vom ‚orientalischen‘ Charaker der kleinen Stadt berührt zeigte: „Das byzantinische Ravello – oberhalb von Amalfi – lässt einen in den Osten schauen, einen Abend lang, und verschließt sich mit seinen Springbrunnen italienisch dann wieder, kühl auf seinem Berg.“

Zu den zahlreichen euromediterranen Reminiszenzen der Amalfiküste gehört auch eine solche aus dem Bereich der Musikgeschichte: Es sind die beiden mündlich überlieferten Melodien, die während der battenti-Prozession in Minori in der Nacht zum Karfreitag gesungen werden. Sie gehorchen sehr altertümlichen tonalen und kompositorischen Regeln, die in Traditionen der arabischen Musik wurzeln.

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