Tréguier

Tréguier (Frankreich) – Ein ungewöhnliches Paar an den Côtes d‘Armor

(Dr. Mohammed M. BETTAHAR)

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Narrative, Mythen, das Imaginaire : Von Saint Yves zu Ernest Renan

Das Bild Tréguiers ist eng verbunden mit zwei Klerikern, einem Dichter und einem Philologen. Der heilige Tugdual ist, 542 geweiht, der erste Bischof der Stadt. Aus Wales gebürtig, ist er auch unter dem Namen Saint-Pabu oder, liebevoller, unter dem Namen Saint-Tudy bekannt. Heute ist allerdings ein anderer Heiliger, Saint Yves, populärer. Yves von Kermartin oder Yves von Tréguier, 1327 heiliggesprochen, hat sein Leben der Gerechtigkeit und den Armen geweiht. Er ist der Schutzheilige der Rechtsberufe, besonders der Rechtsanwälte. Ebenso ist er Schutzpatron der Bretagne und das Saint Yves-Fest ist das Nationalfest der Bretagne.

Anatole le Braz (1859-1826) ist ein Dichter bretonischer Sprache, der freilich in Französisch schrieb. Er ist der Verfasser des Romans ‚Le Gardien du feu‘ (‚Der Leuchtturmwärter‘) sowie von Reiseerzählungen und von zahlreichen Vorträgen. Er war ein militanter Regionalist, zugleich aber auch Anhänger der Republik, der sich von separatistischen Übertreibungen fernhielt.

Ernest Renan gehört zum Kulturerbe Tréguiers. Seine Bronzestatue, verbunden mit der von Artemis, hier als Göttin der Wissenschaft, erhebt sich auf dem Vorplatz der Kathedrale Saint-Yves. Sein Haus ist zum Städtischen Museum geworden. In seiner Jugend war ein gläubiger Katholik. As Folge seiner Studien über Christentum und Judentum entfernte er sich dann Schritt für Schritt von seiner Religion. Sein von der Wissenschaft geprägtes Konzept beim Studium der Religionen und ihrer heiligen Texte hat ihn schließlich dazu gebracht, Wundererzählungen und andere schlackenhafte Einsprengsel, die seiner Meinung nach die heiligen Texte und die Botschaft Jesu verunreinigten, rigoros abzulehnen. Das Leben von Jesus muss, wie er meinte, genauso verstanden werden wie das irgendeines anderen Menschen. Von dieser Position Renans her rührt die verkrampfte Haltung der Kirche und katholischer Gläubiger gegenüber seiner Person und seinem Werk.

Halten wir fest, dass, wenn sich auch Renans Denken über Religion in dem Maße änderte, in dem seine Studien über Grundlagen und religiöse Praxis des Christentums fortschritten, er doch den Glauben an den Menschen Jesus und seine Botschaft nicht verloren hat, und dies bis an sein Lebensende (Jean.Pierre van Deth). Im Übrigen, wer ‚La Vie de Jésus‘ (‚Das Leben Jesu‘) liest, kann nicht umhin, sich wenn nicht christlich, so doch ‚christisch‘ (im französischen Original christique, Anm. d. Übers.) zu führen – hingerissen von der poetischen Begeisterung des Verfassers an der Seite seines Idols! Renan hat auch privatere Texte geschrieben. Das am häufigsten aufgelegte Werk bleibt allerdings ‚Qu’est-ce qu’une Nation?‘ (‚Was ist eine Nation?‘) Dieses Werk ist von einer quälenden Aktualität, in Europa und anderswo. Er formuliert dort die Vorstellung, dass das, was eine Nation ausmacht, nicht die gemeinsame Sprache und auch nicht die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe ist, sondern „große Dinge gemeinsam geschaffen zu haben und der Wille, weitere große Dinge zu schaffen“.

Abb. 4: Geburtshaus und Museum Ernest Renan

Abb. 4: Geburtshaus und Museum Ernest Renan

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