Tübingen

Tübingen und ‘Tausendundeine Nacht’ – ein Erinnerungsort der Imaginationen (Deutschland)

(Dr. Mirjam SCHNEIDER)

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Enno Littmann: Universalgelehrter und Übersetzer

Enno Littmann kam erst auf dem Höhepunkt seiner Karriere, im Jahr 1921, nach Tübingen, und blieb dort bis zu seinem Tod im Jahr 1953. Als Professor für Semitistik und Islamkunde am Tübinger Orientalischen Seminar und nicht als literarischer Autor stellt er einen anderen Typus des Tübinger Orient-Begeisterten dar als Wilhelm Hauff. Anders als dieser schöpfte er auch nicht aus einem literarischen Fundus und den Orient-Imaginationen seiner Zeit, sondern aus seinen Sprach- und Textkenntnissen sowie aus den Erfahrungen, die er auf zahlreichen Studien- und Forschungsreisen nach Afrika und in den Nahen Osten sammelte.

Einer breiteren, nicht nur akademischen Öffentlichkeit ist er durch seine sechsbändige Übersetzung der ‚Erzählungen aus den Tausendundein Nächten‘ bekannt, die zum ersten Mal 1921 bis 1928 im Inselverlag erschien[1] und als „Meilenstein“ der Übersetzungen von ‘Tausendundeine Nacht’ gewertet wird.[2]

Lebensdaten

Zum 50. Geburtstag seiner Frau Elsa überreichte ihr Enno Littmann ein ganz besonderes Geschenk: Eine Autobiographie, in der er sein Leben und seinen Werdegang sehr persönlich beschreibt.[3] Leider bricht dieser Text im Jahr 1904 ab,[4] so dass wir über seine Tübinger Zeit, als Littmann die Übersetzung an ‘Tausendundeine Nacht’ zum Abschluss brachte, nichts aus erster Hand von ihm erfahren. Das Interesse an den orientalischen Kulturen im Allgemeinen und speziell an den arabischen Volksmärchen durchzieht indes sein Leben wie ein roter Faden und prägt auch schon seine Kindheit.

Littmann wurde als Sohn eines Buchdruckers 1875 in Oldenburg geboren. Als kleiner Bub las er mit Vorliebe „Märchen, für die ich ja auch später immer lebhaftes Interesse gehabt habe, als ich Volksliteratur aus dem Orient sammeln konnte.“(7) Während der ersten Gymnasialjahre wurde er im „Lateinischen, Französischen und Griechischen“ unterrichtet und lernte nebenbei „Englisch, Italienisch und Spanisch“. (7) In der sechsten Gymnasialklasse kam noch das Hebräische hinzu. „Um jene Zeit sah ich im Schaufenster einer Buchhandlung ein Buch ausliegen, das den Titel trug ‚Die Kunst die arabische Sprache durch Selbstunterricht zu erlernen’. Dieses Buch wünschte ich mir zu meinem 15. Geburtstag.“ (8) Sein Vater schenkte ihm nicht nur das gewünschte Lehrwerk, sondern auch noch „eine ganze Anzahl von guten Lehrbüchern morgenländischer Sprachen: Arabisch, Syrisch, Äthiopisch, Assyrisch, Neupersisch, Sanskrit und Malayisch“. (9) Damit legte der Vater den Grundstein für den weiteren Werdegang des Sohnes. Der Tod des Vaters traf die Familie hart, auch finanziell. Enno musste sich fortan seine Studien und die Kosten für Examina durch Nachhilfeunterricht verdienen. (11)

Von 1894 bis 1899 studierte Littmann in Berlin, Greifswald, Halle und Straßburg Theologie, Äthiopistik, Arabisch, klassische Philologie und Sanskrit. In Halle bestand er das Staatsexamen für das Lehramt an Höheren Schulen mit den Fächern Religion und Hebräisch, Deutsch, Latein und Englisch. Seine Doktorarbeit verfasste er über ‚Das Verbum der Tigre-Sprachen‘, die mündliche Doktorprüfung legte er in den Fächern Orientalische Philologie, Philosophie und Germanistik ab. 1899 kehrte Littmann nach Oldenburg zurück, um in das höhere Lehramt einzutreten. Doch „da nahm mein Geschick plötzlich eine andere Wendung.“ (30) Littmann wurde aufgefordert, als Dolmetscher und Inschriftenforscher eine Expedition dreier amerikanischer Wissenschaftler nach Syrien – damals den heutigen Libanon sowie das Ostjordanland umfassend – zu begleiten. Neben seiner eigentlichen Aufgabe, dem Erfassen von Inschriften, interessierte er sich vor allem für das arabische Theater und Schattenspiel (39) sowie für das Sammeln von Volkstexten und Liedern.[5] Gleichzeitig versuchte er, den Kontext dieser Überlieferungen in der geistigen und materiellen Welt der bereisten Region zu begreifen:

„Wo es mir möglich war, unterhielt ich mich mit den Einwohnern, um über Land und Leute, ihre Sitten, ihren Glauben und ihre Einrichtungen mich zu unterrichten. So ließ ich mir die Hauseinrichtungen, die Kleidung, die Werkzeuge, die Teile des Pflugs, die Spinnräder, die Handmühlen, die Ölpressen, die Spiele mit ihre arabischen Benennungen erklären, ließ mir die Tiere und Pflanzen jener Gegend nennen, achtete auf türkische und altsyrische Wörter (…)“ (44)

In Jerusalem ist er zu Gast im Hause von Selim, dem „Lagerdiener“ der Expedition: „Im Hause Selims wurden viele Märchen erzählt, besonders von seiner Mutter, die darin der Märchenfrau aus Niederzwehren der Brüder Grimm glich. Ich veranlasste Selim, mir diese Märchen im Jerusalemer Dialekt mit arabischen Buchstaben aufzuschreiben.“ (51)[6] Littmann beschäftigte sich damals, im Januar 1900, auch mit „arabischen Hochzeits-, Klage- und Kinderliedern“, die Selim „von den Stadtbewohnern wie von Fellachen in Südpalästina“ für ihn sammelte (52).[7] Das Interesse an Märchen und Erzählungen, kurz: der von ihm so genannten „Volkspoesie“, begleitete Littmann fortan auf allen Stationen, die er noch zurücklegen sollte.

Die Jahre 1901 bis 1904 verbrachte er in Princeton, wo er die Stelle als Custodian of Manuscripts and Instructor in Semitic Languages antrat. Soweit seine universitären Aufgaben es ihm erlaubten, widmete er sich nachmittags und abends der „Neuarabischen Volkspoesie“. (82/83) Über seinen weiteren Werdegang erfährt man nicht von ihm selbst, sondern von seinen Biographen.

Berühmtheit in der afrikanistischen Fachwelt erlangte Littmann durch seine Aktivitäten als Äthiopist: Im Jahr 1905 führte ihn eine Expedition nach Eritrea, wo er eine große Anzahl von Fabeln, Geschichten, Legenden, Liedern und „volkskundlichen Texten“ aller Art sammelte.[8] Im selben Jahr wurde Littmann als Leiter einer deutschen Aksum-Expedition angeworben.[9] 1906 erhielt er einen Ruf nach Straßburg. Nach weiteren Stationen in Göttingen (ab 1914) und Bonn (ab 1918) erfolgte schließlich 1921 der Ruf nach Tübingen. Dort „hatte nun Littmann endlich seinen Platz gefunden; spätere Rufe (…) lehnte er alle ab.“[10] In den Jahren 1930/31 war er sogar Rektor der Universität Tübingen. Um Littmann das Leben in Tübingen schmackhaft zu machen, baute die Universität gar ein eigenes Haus für ihn. Dort kam seine Übersetzung von ‚Tausendundeiner Nacht‘ zum Abschluss. [11] Er blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1958 in Tübingen. Sein Grab auf dem Tübinger Stadtfriedhof wird als Kulturdenkmal erhalten.[12]

Enno Littman als Teilnehmer der Deutschen Aksum-Expedition 1906, mit Gebre Selassie, dem Gouverneur der Provinz Tigre

Enno Littman als Teilnehmer der Deutschen Aksum-Expedition 1906, mit Gebre Selassie, dem Gouverneur der Provinz Tigre – Abb. 3

Herausforderungen im Vorfeld

Littmanns Übersetzung von ‘Tausendundeine Nacht’ gilt als Meilenstein in der langen Geschichte der deutschen ‘Tausendundeine Nacht’-Ausgaben.[13] Ursprünglich war gar keine eigenständige Übersetzung geplant: Littmann war vom Insel-Verlag damit beauftragt worden, eine ältere Insel-Ausgabe, die Weiterübersetzung einer englischen Fassung durch den deutschen Schriftsteller und Übersetzer Felix Paul Greve, zu überarbeiten. Er sollte sie mit der damals besten vorhandenen Druckausgabe, ‚Calcutta II‘, vergleichen und nach ihr verbessern.[14] Vom zweiten Band an aber schrieb Littmann eine vollständig neue Übersetzung nieder, bei der er „öfters die Grevesche Übertragung mit Nutzen zu Rate“ zog. [15]

Littmanns Übersetzungsleistung kann nur adäquat gewürdigt werden, wenn man sich der besonderen Herausforderungen bewusst ist, vor die ein Werk wie ‘Tausendundeine Nacht’ seinen Übersetzer stellt. Der Übersetzer hat es angesichts des ihm vorliegenden Textmaterials, das den Namen ‘Tausendundeine Nacht’ trägt, keinesfalls mit einem abgeschlossenen Werk zu tun. Was die Grundlage seiner Arbeit darstellt, ist die schriftliche Fixierung einer in permanentem Entstehen begriffenen mündlichen Überlieferung, die zu einem bestimmten Zeitpunkt erfolgt ist –, übrigens häufig durch einen Europäer.[16] Beim Textmaterial, das ihm vorliegt, handelt sich immer um eine Momentaufnahme‘ in einem fließenden Prozess des Erzählens, Neuerzählens, Ergänzens, Weglassens und Weiterdichtens sein.[17] Es ist unmöglich, zum ‚Ursprung‘ eines solchen Werks im Sinne eines datierbaren Zeitpunkts der Entstehung zurückzukehren. Genauso wenig lässt sich ein Autor ausmachen; stattdessen hat man es mit einer Vielzahl von Stimmen zu tun, die ihren Beitrag zur jeweiligen momentanen Gestalt des Werks beigetragen haben. So nimmt es nicht wunder, dass ein Übersetzer von ‘Tausendundeine Nacht’ nicht lediglich mit einer, sondern immer gleich mit mehreren Sammlungen konfrontiert ist, die zu unterschiedlichen Zeiten erstellt wurden und inhaltlich oft stark von einander abweichen. [18] Hier gilt es, sich vorab für eine der Sammlungen zu entscheiden. Littmanns ‚Momentaufnahme‘ trägt in Fachkreisen den Namen ‚Calcutta II‘–, es handelt sich um eine umfangreiche Handschrift, die ins 19. Jahrhundert datiert wird und als „seriös“ gilt.[19] Als Littmann indes feststellte, dass einige Geschichten, die für europäische Leser unauflöslich mit ‘Tausendundeine Nacht’ verbunden sind, in ‚Calcutta II‘ fehlen, ergänzte er sie kurzerhand aus anderen Quellen[20] – und erweist sich bereits durch diesen ersten Schritt als Mitgestalter des großen europäisch-orientalischen Erinnerungsraums ‘Tausendundeine Nacht’. Littmanns Übersetzung ist damit keinesfalls die Übersetzung eines ‚Originals‘ von ‘Tausendundeine Nacht’, da ein solches schlichtweg nicht existiert, sondern stellt, in seinen eigenen Worten, „eine nach menschlichem Vermessen getreue Wiedergabe des gesamten Textes der zweiten Calcuttaer Ausgabe und (…) die erste deutsche Wiedergabe dieser Art“ dar.[21]

Charakteristika der Übersetzung

Die Leitlinien für seine Übersetzung hat Littmann im Kommentar zu den ‚Erzählungen aus den Tausendundein Nächten‘ ausführlich erläutert.[22] Die philologische Genauigkeit und die Übertragung der vielen Gedichte, die die Erzählungen von Tausendundeiner Nacht charakterisieren, aber von früheren Übersetzern einfach gestrichen worden waren, zeugen von einer großen Hochachtung vor dem arabischen Werk. Die kunstfertige, elaborierte Sprache in der Übersetzung zeugt von der Absicht, auch die Leser von der Schönheit der arabischen Sammlung, von ihrer literarischen Vielfalt, von ihrem Witz und Raffinement zu überzeugen.

Einige konkrete Beispiele sollen sein Vorgehen erläutern:

‚Verfremdende Übersetzung‘: In der Rahmenerzählung machen sich die beiden von ihren Ehefrauen betrogenen Königsbrüder Schehrijar und Schahzaman auf in die Welt, um Trost unter Schicksalsgenossen zu suchen: Sie hoffen, auf jemanden zu treffen, „dem es wie uns ergangen ist“. Unterwegs begegnet ihnen ein furchterregender Dämon. Bei sich hat er ein schönes Mädchen „in einer Schachtel“, das er „Herrin der Keuschheit“ nennt. Den Königen wie dem Leser enthüllt sich diese Benennung alsbald als blanke Ironie und blinde Selbsttäuschung. Denn als der Dämon eingeschlafen ist, fordert die „Maid“ die beiden Könige unverblümt auf, ihr zu Willen zu sein: „Stechet einen starken Stich, sonst wecke ich euch den Dämon auf!“ (I, 24) Nach anfänglichem Zögern fügen sich die beiden ängstlichen Könige in ihr Schicksal. Durch dieses Erlebnis hat sich ihre elende Lage indes nur noch verschlimmert. Der doppelte Betrug – der Ehebruch der Frau und die Demütigung durch die Gespielin des Dämon – sowie die Einsicht, dass selbst ein mächtiges Wesen wie der Dämon weiblicher List und Willkürlichkeit hilflos ausgeliefert ist, treiben König Schehrijar zu seinem grausamen Verhalten, das den eigentlichen Anlass für die Erzählungen von ‘Tausendundeine Nacht’ bildet:  Täglich lässt er eine Jungfrau aus dem Volk zu sich kommen, um sie am folgenden Tag zu töten. Erst der klugen Wesirstochter Schehrezad gelingt es durch ihre Erzählkunst, den erzürnten und gewalttätigen König zu „heilen“ und die Frauen zu rehabilitieren.

Doch es ist nicht die Handlung, die an dieser Stelle interessiert, sondern ein spezifisches Verfahren, das für Littmanns Übersetzungen charakteristisch ist. „Stechet einen starken Stich“, lässt er das schöne Mädchen sagen, und gebraucht damit eine im Deutschen ungewöhnliche, ja merkwürdige Wendung. Littmann hat hier eine im Arabischen übliche figura etymologica („stechet“ – „Stich“) aus dem Arabischen im Deutschen genau abgebildet. Der Effekt ist ‚befremdend‘, aber nicht befremdlich. Hier wie an zahlreichen weiteren Stellen hat der Übersetzer darauf verzichtet, den Text rundweg ‚einzudeutschen‘, sondern ihm seine Fremdheit ein Stück weit belassen.[23] Littmann ging sogar so weit, einige arabische Begriffe erst gar nicht zu übersetzen, sondern sie im deutschen Text auf Arabisch wiederzugeben. Dies ist häufig dann der Fall, wenn es sich um sexuelle Begriffe und Anspielungen handelt. [24]

Frühere Übersetzungen hatten häufig durch Zensur, Verniedlichung und Bereinigung dessen, was anstößig oder für Kinderohren ungeeignet erschien, massiv in ihre Textvorlagen eingegriffen.[25] Littmann überträgt meist „ohne Prüderie“[26], behält es sich jedoch bei gewissen Szenen vor, den arabischen Terminus im deutschen Text stehen zu lassen. Gerade diese kleinen ‚arabischen Inseln‘ in seinem Text – sei es durch die Abbildung arabischer Konstruktionen, sei es durch die Anführung eines arabischen Begriffs – verleihen der Übersetzung ihren eigenen Charakter. Gerade da, wo nicht adaptiert und benannt, sondern suggeriert wird, macht der Leser eine Fremdheitserfahrung und ist aufgefordert, sich mit ihr auseinander zu setzen.

Gedicht-Übersetzungen

Eine weitere Neuerung in Littmanns Übersetzung besteht darin, dass er die Gedichte, die sich überall in ‘Tausendundeine Nacht’ finden, allesamt wiedergibt. Die Gedichte, die auf den ersten Blick oft nicht zum Fortlauf der Handlung beitragen, sondern sie sogar verzögern, wurden von vielen Übersetzern als störend empfunden und schlichtweg gestrichen. Zudem bereiten die Eigenheiten der arabischen Versmaße und die arabische Metrik den Übersetzern Schwierigkeiten.

Hier verfuhr Littmann nicht ‚verfremdend‘, sondern übertrug die streng festgelegten arabischen Reime und Metren in klassische deutsche Reimschemata und Metren.[27]

Als Beispiel mag ein Gedicht dienen, das in der Geschichte von Kamar ez-Zaman und seiner Geliebten enthalten ist:

Um dich bin ich voll Eifersucht in meinem Blick,

Auf mich, auf dich, auf deine Stätte und die Zeit.

Und schlöss ich dich auch ganz in meine Augen ein,

Ach, deine Nähe würde mir doch niemals leid.

Ja, wäre ich auch jeden Tag mit dir vereint,

Es wär mir nie genug in alle Ewigkeit. (VI, 434)

Trotz der Eindeutschung von Versmaß und Metrum in der Übersetzung ist es eine der großen Leistungen Littmanns, die arabische Lyrik einem deutschen Leserpublikum zugänglich gemacht zu haben und es an deren Themen, Motiven, Metaphern und Bildern teilhaben zu lassen.

Fazit

Enno Littmann ist es zu verdanken, dass sich sowohl erwachsene Leser als auch die Wissenschaft neu für ‘Tausendundeine Nacht’ interessieren und es als Werk der Weltliteratur ersten Ranges würdigen. Dazu beigetragen haben seine philologische Genauigkeit bei gleichzeitigem Einsatz von ‚Verfremdungsstrategien‘, die Wiedergabe der Verse und Gedichte auch da, wo sie die Geduld des mit arabischer Lyrik nicht vertrauten Lesers strapazieren, sowie der Verzicht auf Zensur bei sexuellen Anspielungen oder sonstige Kürzungen. Diese Strategien zeugen von einer Haltung gegenüber dem orientalischen Werk – und darüber hinaus der orientalischen Welt – die von tiefem Respekt und Anerkennung gekennzeichnet ist.


[1] Die Erzählungen aus den Tausendundein Nächten. Vollständige deutsche Ausgabe in sechs Bänden. Zum ersten Mal nach dem arabischen Urtext der Calcuttaer Ausgabe aus dem Jahre 1839. Übertragen von Enno Littmann, Wiesbaden 1921-1928.

[2] Vgl. Rainer Voigt: Enno Littmann: Leben und Werk, in: Afrikas Horn. Akten der Ersten Internationalen Littmann-Konferenz, hrsg. v. Walter Raunig und Steffen Wenig, Wiesbaden 2005, S. 247-264, S. 247. Von seinen Fachkollegen wurde immer wieder die „Breite“ und „Tiefe“ hervorgehoben, mit der er das Fach der Orientalistik vertreten habe. Seine zentralen Forschungsinteressen galten der Arabistik, der semitischen Handschriftenkunde und der Äthiopistik, die er entscheidend geprägt hat. Entgegen der heutigen – politischen, aber auch akademischen – Tendenz, Nordafrika und Subsahara-Afrika in einen ‚arabischen‘ und einen ‚afrikanischen‘ Teil zu trennen, betrachtete Littmann Afrika und die arabisch-islamische Welt als einen zusammenhängenden Kulturraum.

[3] Littmann hat seiner Frau den Text 1944 überreicht. Er liegt auch in gedruckter Fassung vor: Enno Littmann: Leben und Arbeit. Ein autobiographisches Fragment (1875-1904) als Manuskript herausgegeben von H.H. Biesterfeldt, in: Oriens. Zeitschrift der Internationalen Gesellschaft für Orientforschung, Volume 29-30, Leiden 1986, S. 1-99. Im Folgenden setze ich die Seitenzahlen dieser Ausgabe in Klammern in den Fließtext.

[4] vermutlich, weil Littmann im Anschluss zu stark durch berufliche Aufträge in Anspruch genommen war

[5] Zahlreiche Publikationen sind in der Folge entstanden. Für unseren Kontext erwähnenswert sind: ‚Arabische Schattenspiele‘ (Berlin 1901), ‚Neuarabische Volkspoesie‘ (Berlin 1902), ‚Modern Arabic Tales, vol. 1 Arabic Textes‘ (Leiden 1905).

[6] Der arabische Text erschien als ‚Modern arabic Tales. Vol I. Arabic Textes‘, Leiden 1905. Die deutsche Übersetzung erschien unter dem Titel ‚Arabische Märchen. Aus mündlicher Überlieferung gesammelt und übertragen‘, Leipzig 1935.

[7] Diese Texte sind unter dem Titel ‚Neuarabische Volkspoesie‘ von Enno Littmann herausgegeben worden, Abh. Der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, Phil.-hist. Kl. N. F. Bd. 5, Nr. 3, 1902.

[8] Vgl. Voigt S. 253. Ergebnis seiner Forschungen waren die fünf Bände der ‚Publications‘ dieser Expedition, die in Leiden 1910-1915 erschienen. Die ersten beiden Bände enthalten die ‚Tales, Customs, Names and Dirges of the Tigré tribes‘ in Tigre mit englischer Übersetzung, die restlichen drei Bände die ‚Lieder der Tigré-Stämme in Tigre mit deutscher Übersetzung‘.

[9] Eine der Hauptaufgaben war die Dokumentation der altäthiopischen Inschriften, Graffiti und  Symbole. Vgl. Voigt S. 255.

[10] Voigt S. 258.

[11] Ott: Littmann, S. 114.

[12] Sowohl Littmann als auch seine Frau liegen auf dem Tübinger Stadtfriedhof begraben: Abteilung Z, Reihe 1, Grab 25-26.

[13] Ott: Littmann, S. 114.

[14] Vgl. Ott: Littmann S. 114. Die ursprüngliche Handschrift ist heute wohl verschollen. Vgl. Ott, ebd., S. 118.

[15] Littmann: Anhang S. 649.

[16] Wiebke Walther: ‘Tausendundeine Nacht’. Eine Einführung, München 1987, vgl. v.a. S. 28-35.

[17] Vgl. Littmann, Anhang.

[18] So bemerkte Littmann selbst: „All diese Ausgaben und Handschriften weichen zum Teil sehr stark von einander ab. Denn es ist selbstverständlich, dass bei Werken, die nicht der höheren Literatur angehören und die weder durch einen Kanon noch durch einen berühmten Verfassernamen geschützt sind, große Schwankungen vorkommen.“ Littmann, Anhang, S. 658.

[19] Littmann, Anhang S. 658.

[20] Ergänzt hat er den Schluss der Geschichte von ‚Sindbad dem Seefahrer‘, ‚Aladdin und die Wunderlampe‘ (nach einer Pariser Handschrift) sowie ‚Ali Baba und die vierzig Räuber‘ (nach einer Oxforder Handschrift. Vgl. Ott: Littmann: S. 114., siehe auch: Littmann: Anhang S. 650-51.

[21] Littmann: Anhang S. 650.

[22] Littmann, Anhang

[23] Im Rückgriff auf Schleiermacher ließe sich hier von einer „verfremdenden Übersetzung“ sprechen, die nicht „den Text zum Leser“, sondern auch den „Leser zum Text hin biegt“.

[24] Ein Beispiel findet sich in der ‚Geschichte des Lastträgers und der drei Damen‘, Littmann I, S. 97-111, S. 105/106.

[25] Es sei mit ‚Tausendundeiner Nacht‘ „wie mit anderen Büchern, die wir in der Kindheit liebgewannen (…), sie waren ursprünglich nicht für Kinder bestimmt. Kindertümlich wurden sie durch Bearbeitungen.“ Walther S. 7.

[26] Walther S. 52.

[27] Ott: Littmann S. 121.

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