Schwetzingen

Schwetzingen (Deutschland)

(Dr. Harald SIEBENMORGEN)

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Euro-mediterranes Erinnern im fürstlichen Park

Der Park der ehemaligen Kurpfälzischen Sommerresidenz Schwetzingen (bei Mannheim) gilt als herausragendes Zeugnis der kulturellen Vielfalt in der Gartenkunst des 18. Jahrhunderts in Mitteleuropa. Dabei sollte man die soziokulturellen Bedingtheiten des „Blicks auf das Fremde“ in den spätabsolutistischen Staaten jedoch heute mit analytischem Blick betrachten und historisch relativieren.

Als euro-mediterranen Erinnerungsort empfiehlt sich der Park des Schwetzinger Schlosses wegen seiner in Zeit und Raum ausgreifenden Motive in Gartengestaltung und Architektur. Altägypten, Griechenland, Rom, Renaissance-Italien und eine imaginierte arabisch-persisch-indisch-islamische Welt lieferten die Vorlagen.

Schlossgarten: Römische Wasserleitung – Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden Württemberg

Schlossgarten: Römische Wasserleitung – Abb. 2

Schlossgarten: Moschee – Foto: Martina Thum

Schlossgarten: Moschee – Abb. 3

Mythen und Narrativen, die mit Park und Schloss verbunden sind, erzählen von heiterem Lebensgenuss einer aristokratischen Hofgesellschaft des Ancien Régime in künstlerisch gestalteter Natur. Schwetzingen wird vor allem mit dem Namen des pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor (1724-1799) verbunden, einem Förderer der Künste, von Künstlern und Philosophen. Gäste des Fürsten in Schwetzingen waren unter anderen Voltaire, Mozart, Gluck. Schiller soll sich im Park Inspirationen für sein Drama ‚Don Carlos‘ geholt haben, das teilweise in den Gärten von Aranjuez nahe Madrid spielt. Karl Theodor war, anders als andere Herrscher seiner Zeit, dem Kriegführen abgeneigt. Sein Garten in Schwetzingen zeigt ihn vielmehr als aufmerksamen, sinnlichen Mann, der die Wohltaten einer verfeinerten Kultur in ihrer Kulturen übergreifenden Fülle zu genießen verstand. Mittelmeerische Motive spielten dabei eine wesentliche Rolle. Der heutige Besucher verbindet die Zauberwelt des Fürsten insbesondere mit zwei Bauten, seinem luxuriösen Badhaus und der Illusionsarchitektur des bewachsenen Laubengangs zum „Ende der Welt“, einer paradiesischen Flusslandschaft in vollständiger Harmonie.

Der in Heidelberg residierende, 1720 nach Mannheim verlegte Hof der Kurfürsten von der Pfalz besaß in Schwetzingen eine bis ins Mittelalter zurückreichende Wasserburg, die 1699 -1715 unter Kurfürst Johann Wilhelm (Jan Wellem) zum Sommersitz ausgebaut wurde. Allerdings ist der Schlosspark, der seit 1718 bestand und unter Kurfürst Carl Theodor von 1748 bis 1795 in mehreren unterschiedlichen Ausbaustufen zu einem großartigen Garten-Gesamtkunstwerk ausgestaltet wurde, bedeutsamer als der schlichte, später mehrfach innen veränderte Schlossbau.

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