Konstanz

Konstanz – ein Euro-mediterraner Erinnerungsort (Deutschland)

(Dr. Karin STOBER)

Zurück Überblick Die andere Seite Bilder und Literatur Vor

Stadtbild zwischen Nord und Süd

Die älteste im Stadtbild ablesbare Struktur ist die römische Fernstraße, welche die Stadt von Süden nach Norden durchzieht und über die alte Rheinbrücke führt. Entlang dieser antiken Wegverbindung entstanden im 9. und 10. Jahrhundert zwei der bedeutendsten Bauwerke der Stadt, das Münster Unserer Lieben Frau und das Benediktinerkloster Petershausen auf der gegenüber liegenden Rheinseite. Um die beiden Großbauten des Münsters und des Klosters Petershausen herum entstand bald schon eine ganze Kirchenfamilie (St. Stephan, St. Mauritius, St. Johann, St. Paul und St. Lorenz), die in ihren Standorten und Patrozinien die Hauptkirchen Roms abbildeten.

Das  Münster datiert in seinen ältesten Bauteilen (Krypta) bereits aus dem 8. bis 10. Jahrhundert. Das Langhaus ist eine Rarität. Es ist ein Großbau aus der Zeit der Salier, der unter Bischof Gebhard III. als dreischiffige Basilika 1089 geweiht wurde. Seither wurde das großartige Bauwerk bis weit ins 19. Jahrhundert hinein immer wieder verändert, vergrößert und neu ausgestattet. Besondere Beachtung verdient die Mauritiusrotunde in der Südostecke des Kreuzgangs, denn von hier aus spannt sich wiederum der weite Bogen in den Mittelmeerraum: Sie wurde gegen 940 errichtet und ist dem als Märtyrer zu Tode gekommenen Anführer der thebäischen Legion und ottonischen Reichsheiligen St. Mauritius geweiht. Sie gilt als getreue Kopie der Grabeskirche in Jerusalem.

Abb. 3 : Mauritiusrotunde mit Heiligem Grab (Ostseite)

Abb. 3 : Mauritiusrotunde mit Heiligem Grab (Ostseite)

Vom Ursprungsbau der 983 gestifteten Reichabtei Petershausen ist vor Ort nichts erhalten geblieben; Gewände und Türsturz vom ehemaligen Hauptportal aus romanischer Zeit befinden sich heute im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe. Die einstige Benediktinerabtei war neben den Klöstern St, Gallen und Reichenau die bedeutendste des Bodenseeraums.

Der Leinenhandel mit Norditalien bescherte der Stadt im 13. Und im 14. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blüte. Handelshäuser, Ordensniederlassungen, Zunfthäuser, Domherren- und Stadthöfe, der Ausbau des Münsters und ebenso die teilweise durch Trockenlegungen am Uferbereich vorgenommenen Erweiterungen dieser Zeit prägen bis heute das Stadtbild. Das ehemalige, von Mailänder Tuchhändlern mitfinanzierte Kaufhaus am Hafen (heute „Konzilgebäude“, 1388 durch Werkmeister Heinrich Arnold errichtet) legt mit seinen enormen Dimensionen noch immer ein beeindruckendes Zeugnis von der Bedeutung der Stadt ab, die damals wenig mehr als 6000 Einwohner gezählt haben dürfte.

Den Namen „Konzilgebäude“ trägt das historische Kaufhaus erst seit dem 19. Jahrhundert. Denn hier wurde während des Konzils im Spätjahr 1417 das Konklave abgehalten, dessen erfolgreicher Ausgang mit der Wahl Martins V. zum neuen und einzigen Papst nach Jahrzehnten der Entzweiung (Großes Abendländisches Schisma) die katholische Kirche wieder zu ihrer Einheit zurückfand. Heute ist das „Konzilgebäude“ ein Wahrzeichen der Stadt.

Wie eng der kulturelle Austausch mit Italien war, belegt auch das ehemalige Haus der Geschlechterzunft zu Katz (Katzgasse 3) von 1424. Es  besitzt im Innern eine außergewöhnlich großzügige Raumaufteilung. In dieser neuen Großzügigkeit bürgerlichen Bauens und vor allem auch in der zur Straßenseite hin gekehrten repräsentativen Rustika-Fassade hatte sich die Zunft die Stadtpaläste in Florenz zum Vorbild genommen. Am Haus zur Katz fand diese Art der monumentalen Fassadengestaltung erstmals auf deutschen Boden Verwendung.

Zurück Überblick Die andere Seite Bilder und Literatur Vor