Das Projekt

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Stiftung Wissensraum Europa – Mittelmeer (WEM) e.V.
Fondation Espace du savoir Europe – Méditerranée (WEM)

Das Projekt „Euro-Med MemoriaCarte“

Eine virtuelle Landkarte euro-mediterraner Erinnerungsorte.

Die Euro-Med MemoriaCarte, die virtuelle Landkarte euro-mediterraner Erinnerungsorte, ist ein Projekt der WEM. Die Landkarte macht Orte eines gemeinsamen euro-mediterranen Erbes mit  ihren jeweiligen kulturspezifischen Erinnerungen sichtbar, und zwar im Handlungsraum der Stiftung ‚von Dublin bis Damaskus, vom Niger bis zum Nordkap‘. Hinter jedem der Orte verbirgt sich ein kulturwissenschaftlich orientierter Beitrag zur Geschichte sowie zu den Imaginationen und Narrativen, die den Ort umgeben. An den Orten, die für die Karte ausgewählt wurden, überlappen und verdichten sich jeweils die Erinnerungen verschiedener Kulturen des euro-mediterranen Großraums. Der französische Historiker Pierre Nora nennt Orte dieser Art  lieux de mémoire. Er denkt dabei aber nicht nur an topographische Orte, sondern auch an Mythen, Bücher, Bauwerke sowie andere Zeugnisse, die  zum Symbol für die Geschichte einer Gruppe, einer Gesellschaft, einer Kultur werden können. In der MemoriaCarte geht es nur um topographische Orte. Gelegentlich sind diese auch als ‚Transversalen‘ miteinander verbunden und werden gemeinsam vorgestellt. Wenn Orte einen bedeutenden Bezug zum Leben und Werk bestimmter Persönlichkeiten, zu bestimmten Büchern, Bau- oder Kunstwerken haben, ist dies auf der Landkarte berücksichtigt.

Möglich wurde die Karte durch eine Anschubförderung, die von der Allianz Kulturstiftung, Berlin, gewährt wurde.

Der Euro-Mediterrane Raum – ein ‚funktionaler Raum‘

,Von Dublin bis Damaskus, vom Niger zum Nordkap’ – für die Stiftung ist dies der Euro-Mediterrane Raum. Er reicht über den engeren Mittelmeerraum hinaus. Es ist dies aber kein Raum, den politische Grenzen gewissermaßen von außen definieren. Vielmehr ist es ein Raum, dessen Umfang durch seine innere Dynamik bestimmt wird. Der klassische Mittelmeerraum hat mit seinen kulturellen, gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Energien nicht nur die Völker und Länder seiner Küsten geprägt. Die in Geschichte und auch, mehr denn je, in der Gegenwart von ihm ausgehende Dynamik der Konflikte und Ideen bestimmt nicht nur das mediterrane, sondern auch das transalpine Europa, nicht nur das arabische Nordafrika, sondern auch die Levante, nicht nur den Maghreb, sondern auch Sahel-Afrika. Der Euro-Mediterrane Raum in diesem Verständnis ist ein ‚funktionaler‘ Raum, das heißt, seine Kennzeichen sind: polyzentrische Struktur, verdichtete Kommunikation, wechselseitige, auch historische Abhängigkeiten, Probleme, die gemeinsam zu lösen sind, eine gemeinsame Geschichte, gemeinsame Themen. [1]

1.1

Abb.1 : Herodots Weltkarte

1.2

Abb. 2: Al-Idrisis Weltkarte

1.3

Abb. 3: Hekataios Weltkarte

Orte

Zwei Arten von Erinnerungsorten sind vorgesehen: klassische, gut bekannte Orte wie Tanger, Casablanca, Granada, Palermo etc. sowie Orte, die auf den herkömmlichen Landkarten des kulturellen Wissens nicht als ‚euro-mediterrane‘ Erinnerungsorte verzeichnet sind, das heißt, zu erinnernde Orte wie Weimar, wo Goethe seinen ‚West-Östlichen Divan‘ geschaffen oder Qal’at Ibn Salâma, wo Ibn Khaldûn seine Muqaddima verfasst hat. Man findet die Orte über Markierungen auf einer elektronischen Karte. Durch Anklicken öffnen sich dann Hypertexte mit Beschreibungen, kulturwissenschaftlich gestützten Analysen sowie Bildern. Alle Texte haben annähernd und mit einigen Ausnahmen dieselbe Struktur und antworten auf folgende Fragen:

  1. Warum handelt es sich hier um eine euro-mediterranen Erinnerungsort?
  2. Was sind die Narrative, die Mythen, die Vorstellungen, die mit diesem Ort verbunden sind?
  3. Was sind die geschichtlichen Fakten?
  4. Welche Relikte (Bauten, Kunstwerke, literarischen Werke) gibt es?
  5. Wie geht man an diesem Ort heute mit dem (euro-mediterranen) kulturellen Erbe um? Welche kulturellen Aktivitäten gibt es an diesem Ort?
  6. Literatur (Bibliographie)

Die euro-mediterrane MemoriaCarte folgt dem Prinzip der ‚Regards croisés‘, das heißt, der sich ergänzenden ‚Wechselblicke‘. Für jeden der vorgesehenen Erinnerungsorte werden im Prinzip jeweils zwei Artikel erarbeitet: ein Hauptartikel sowie ein begleitender, ergänzender Artikel, beide jeweils mit Bildern. Wenn ein Artikel den Ort aus europäischer Sicht darstellt, soll der begleitende Artikel den Ort aus arabischer oder sahelafrikanischer Sicht erschließen, und vice versa. Anstelle des Versuchs einer Vereinheitlichung bleiben die unterschiedlichen Sehweisen auf das gemeinsame Kulturerbe also nebeneinander stehen, werden aber aufeinander bezogen und wechselseitig kommentiert. Die Zielsetzung der Karte entspricht so der Zielsetzung der Stiftung Wissensraum Europa-Mittelmeer (WEM): Schaffung eines euro-mediterranen Bewusstseins durch Austausch kulturspezifischen Wissens und dessen Zusammenfügung.

Zu den Artikeln: Die Erinnerungsorte werden vorwiegend durch Mitglieder der Stiftung WEM aus Europa, aus den Maghreb-Ländern und aus Sahel-Afrika ausgewählt, betrachtet und kommentiert. Vorschläge von anderer Seite und weitere Autor(inn)en sind erwünscht. Wenn zitiert oder auf Aussagen von anderen Autoren Bezug genommen wird, muss dies immer ausreichend kenntlich gemacht sein. Grafiken, Bilder und Fotos, die nicht von den Autorinnen und Autoren selbst erstellt wurden, bedürfen eines vollständigen Quellen- und Urheberbelegs und müssen frei von Rechten Dritter sein. Die Rechte am Text bleiben beim Autor bzw. der Autorin des jeweiligen Artikels. Der jeweils besondere Charakter der Artikel ist von der Redaktion gewünscht und wird respektiert. Die Redaktion kann Artikel ablehnen oder aus der Landkarte streichen.

Dank: Die Stiftung WEM dankt Herrn Dr. Ralf Schneider, Frau Swenja Zaremba M.A. und Frau Lilly Baer (alle Karlsruhe) für Ihre kompetente, ideenreiche Mitwirkung bei Konzeption und Erstellung der MemoriaCarte. Dankbar verpflichtet fühlt sich die Stiftung auch der Allianz Kulturstiftung, namentlich Herrn Michael M. Thoss, Geschäftsführendes Mitglied des Stiftungsrates, und Herrn Martin Bach, Projektleitung.

Prof. Dr. Bernd Thum
Präsident der Stiftung Wissensraum Europa Mittelmeer (WEM) e.V.

[1] Vgl Bernd Thum: Ein euro-mediterraner Wissens- und Handlungsraum als strategisches Ziel. Kulturpolitische Überlegungen zu Konzeption und Programm. In: WIKA-Report (Band 1), S.87-96 (= ifa-Edition Kultur und Außenpolitik)
(http://issuu.com/conbrioverlag/docs/wika-report_1-2012_endversion?e=0/5369425).

Abbildungen

Abb. 1: English: Possibly what the world according to Herodotus looked like (5th century BC). 15 December 2006; Quelle: Own work (based on the GIF by Marco Prins and Jona Lendering from www.livius.org, see http://www.livius.org/a/1/maps/herodotus_map.gif, with fixes from http://www.mediterranees.net/geographie/herodote/cartes.html, http://www.meer.org/herodotus-world-map-1a.jpg and http://www.henry-davis.com/MAPS/Ancientimages/109A.GIF). Author: User:Bibi Saint-Pol

Abb. 2: This is a faithful photographic reproduction of a two-dimensional, public domain work of art.

Abb. 3: English: Possibly what the map of the world by Hecataeus of Miletus looked like (6th century BC). 13 December 2006; Quelle: Own work (based on a GIF by Marco Prins and Jona Lendering from www.livius.org, see http://www.livius.org/a/1/maps/hecataeus_map.gif). Author: User:Bibi Saint-Pol

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